Toploader - Seeing Stars - Cover
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Toploader Seeing Stars


  • Label: India/Rough Trade
  • Laufzeit: 44 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Zeit nagt weiter unerbittlich an Toploader, die jetzt Musik veröffentlichen, als hätte es ihre zehnjährige Pause nie gegeben.

Toploader sind kein One-Hit-Wonder mehr. „Roll With The Punches“ erreicht zu keinem Zeitpunkt das Ohrwurmpotenzial eines „Dancing In The Moonlight“, aber mindestens durch diesen Sommer wird dieses Pop-Gedudel Hörer in vielen Ländern begleiten. Ob der Song das Jahr überlebt oder eine ähnlich kurze Lebensdauer wie Fidget Spinner offenbart ist für Toploader nebensächlich. Sie beweisen, dass sie weiterhin Melodien mit echten Hooks schreiben können. „Seeing Stars“ zeigt leider, dass diese Gabe sich auf wenige Lieder verteilt und viel Mittelmaß offenbart. „Seeing Stars“ ist ein vortrefflicher Titel, ist das Album hauptsächlich damit beschäftigt andere Musiker zu kopieren.

Das Genie klaut, geht das Sprichwort, aber Toploader klingen oft wie die synthetische Karaoke-Version ihrer Vorbilder. Die Eröffnung „Boom“ spielt sich zwischen Keane und The Killers ab, ohne dass das Feingefühl der Bands zu ihren Hochzeiten erreicht wird. Getreu dem Songtitel „Boom“ klatschen Toploader eine Synthie-Hymne auf den Tisch, die bereits vor 15 Jahren etwas angestaubt gewirkt hätte. Wo „Boom“ wenigstens noch deutlich Tribut zollt, verwaschen die austauschbaren Pop-Liedchen „Together“ und „The Things We Do For Love“ derartig, dass der „Generisch“-Stempel reicht. Mit „Is This A Rainbow“ gehen Toploader bewusst zurück in die Zeit der 90er und schmusen sich in Simply Red-Manier in die Hörer-Ohren. Leider mit der fragwürdigen B-Qualität der späten Neunziger, was Simply Red betrifft.

Überhaupt ist die schwächere Zeit Simply Reds eine sehr gute Parallele für „Seeing Stars“. Mit ein, zwei Radio-Hits halten Toploader sich über Wasser. Die treuen Fans und Albumhörer wundern sich anfangs noch, wie Lieder wie „A Moment Of Clarity“ durch die Qualitätskontrolle gekommen sind und vergessen später die Existenz dieser Stücke. Spätestens mit „Boy Machine“ sehen Hörer ein, dass stereotype Schablonen von Radio-Songs das Hoch dieses Albums darstellen. Ohne ein zeitlich einzuordnendes Konzept fährt Toploader musikalische Schlangenlinien durch die 90er und mittelprächtige Hits der letzten 15 Jahre. Wenn Toploader dabei wie durch Zufall über schöne Melodien stolpert („Crazy Dream“) ist der geneigte Hörer schon zufrieden. Das zeigt die niedrige Ansetzung der Messlatte.

Toploader sind mit „Seeing Stars“ auf dem gefährlichen Weg zu einem Guilty Pleasure zu verkommen. Selbst wer sie noch hört, steht nur ungern dazu. Wenn „Flood“ die Hörer auf die kitschigste, aber völlig ernst gemeinte Synthie-Art verabschiedet, ist Gänsehaut garantiert. Nicht weil diese Musik berührt, sondern weil sie uns einen Schauer über den Rücken jagt. Ohne eigenen Stempel, interessante Botschaften und eine klare Linie ist „Seeing Stars“ nur deswegen noch ein nettes Album, weil die Mitschunkel-Melodien weiterhin zu Toploaders Stärken gehören. Diese schreiben sie weiterhin im Schlaf. Entwickeln sie sich weiter in diese Richtung hören allerdings auch bald ihre Hörer ihre Musik im Schlaf.

Anspieltipps:

  • Roll With The Punches
  • Boom
  • Crazy Dream

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