Wanda - Niente - Cover
Große Ansicht

Wanda Niente


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wanda haben die Melancholie für sich entdeckt. Deshalb müssen heuer ein paar Abstriche von der Heiligkeit dieser Wiener Rock’n’Roll-Burschen gemacht werden.

Ende 2014 schwappte mit der Band Wanda eine neue Indie-Rock-Sensation ausgerechnet aus Österreich nach Deutschland herüber. Das Wiener Quintett hatte im Oktober des Jahres sein Debütalbum „Amore“ auf den Markt gebracht und räumte damit sowohl in den Charts als auch als Live-Act unheimlich bei Publikum ab. Das nur 12 Monate später über das Majorlabel Vertigo Records nachgelegte Zweitwerk „Bussi“ verstärkte den Run auf Wanda noch einmal. Das Österreichische Nummer-1-Album knackte in Deutschland die Top 5 der Charts, während sich die Herren Marco Wanda (Gesang), Manuel Poppe (Gitarre, Gesang), Christian Hummer (Keyboards, Gesang), Reinhold „Ray“ Weber (Bass, Gesang) und Lukas Hasitschka (Schlagzeug, Gesang) live wiederum den Arsch abspielten und sich so ins Gedächtnis des Publikums einbrannten.

Bis hierhin klingt die Geschichte von Wanda wie die von einer Band, die die Kerze an beiden Seiten angezündet hat und wie im Rausch lebt und arbeitet. Keine Frage: Wenn The Darkness die Rockmusik auf internationaler Ebene retten, dann sind Wanda 15 Jahre nach Falco die Retter des deutschsprachigen Rock’n’Rolls – und zwar mit allen Konsequenzen. Denn der Lifestyle der Wiener – sollte er nicht gespielt sein – entspricht ebenfalls genau dem, was es braucht, um als Rockband wahr- und ernstgenommen zu werden. Rauchen, saufen, Lieder über unerfüllte sexuelle Wünsche im Wiener Dialekt schreiben und auf der Bühne im Fall von Marco Michael Wanda den Jim Morrison geben. Wanda, wir lieben euch!

Für ihr drittes Studioalbum „Niente“ sind Wanda wieder mit ihrem Stammproduzenten Paul Gallister (Der Nino aus Wien, Eluveitie) ins Studio gegangen. Doch anstatt den Stil der beiden erfolgreichen Vorgänger zu reproduzieren, haben sich Wanda zu einem Bruch in ihrem Sound entschlossen und die geliebten Mitgrölsongs gegen melancholischen Indie-Pop getauscht. Die Band nimmt sich spürbar zurück und holt den Hörer mit dem zum Schunkeln einladenden „Weiter, weiter“ ab, um fortan einen melodiösen, aber im Sinne von Rockmusik kaum mitreißenden Songreigen anzubieten.

Vermutlich musste dieser Tritt auf die Bremse einfach jetzt sein. Er kommt trotzdem unerwartet. So stehen Wanda anno 2017 für eine gewisse Gemütlichkeit („Columbo“, „0043“), ohne dass dadurch der besondere Charme ihrer Lieder leidet, zumal nach wie vor ähnliche Themengebiete wie auf „Amore“ und „Bussi“ behandelt und im breiten Wiener Dialekt dargeboten werden. Dennoch klingt „Niente“ in der Summe eine Spur zu brav und gefühlsduselig („Lieb sein“, „Wenn du schläfst). Das heißt aber nicht, dass uns Wanda nicht auch auf diesem Album wieder ein paar Highlights servieren.

So gefallen neben „Weiter, weiter“ insbesondere noch das augenzwinkernde, auf einen italienisch gesungenen Refrain aufbauende „Lascia mi fare“ sowie das finale Song-Trio, bestehend aus „Einfacher Bua“, dem herrlich dramatischen Pianolied „Das letzte Wienerlied“ und dem bierseligen Pathos-Ungeheuer „Ich sterbe“ mit einer zu Tränen rührenden Streicherkulisse. Hier zeigen Wanda all ihre Größe, die ihnen auf „Niente“ zwischendurch etwas abgeht, sodass heuer ein paar Abstriche von der Heiligkeit dieser Wiener Rock’n’Roll-Burschen gemacht werden müssen.

Anspieltipps:

  • Ich sterbe
  • Einfacher Bua
  • Weiter, weiter
  • Lascia mi fare
  • Das letzte Wienerlied
Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
Diskutiere über „Wanda“
comments powered by Disqus