Walter Trout - We´re All In This Together - Cover
Große Ansicht

Walter Trout We´re All In This Together


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 70 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Walter Trout drückt sich vor den Themen unserer Zeit, aber ist ein zu guter Blues-Musiker, um schlecht zu sein.

Walter Trout bleibt im Alter von 66 Jahren ein großer Junge. Er hat Spaß am Blues und teilt diese Freude mit anderen Musikern und seinen Zuhörern. Wenn er wie im Titeltrack minutenlang seine Gitarre traktiert, ist die Welt für alle Beteiligten heil. Dass der Blues hervorragend geeignet ist, um Unzufriedenheit auszudrücken, interessiert Trout weiterhin eher auf allgemeiner und unspezifischer Ebene. Eine der politischen Aussagen auf „We’re All In This Together“ lautet „ich gucke keine News, denn Sie geben mir den Blues“. Reim dich oder ich fress’ dich ist auch in Amerika keine Seltenheit. Dass Trout das aktuelle Weltgeschehen nicht einfach auslässt, sondern nebenbei und ziemlich platt behauptet, ist ein Geschmäckle, dass auf die fehlende Tiefe des Albums hinweist.

Trout singt „Gonna Hurt Like Like Hell“ und „Ain’t Goin’ Back“. Titel, die viel Interpretionsfreiraum ermöglichen. Und dann drehen sich die Lieder doch wieder um belanglose Kleinode. Die Texte erscheinen nach einer Entschuldigung, um nicht wie Gast Joe Bonamassa regelmäßig auf Gesang zu verzichten. Die Glückskeks-Lyrics eignen sich für geistloses Mitsingen oder für gute Vorsätze, die so offen sind, dass sie zu jedem passen. Hörer stellen die Uhr nach den Gitarrensoli und nicken einer Taube gleich mit dem Kopf. Mit der Gitarre seine Spielchen aufführen, ist Walter Trouts Stärke, in der er vollkommen aufgeht und Lieder durchaus rettet. Obwohl in „Ain’t Goin’ Back“ nichts passiert, erhält das Lied einen starken Zug, der locker über die viereinhalb Minuten trägt. Blues-Fans finden keine Sekunde Langeweile vor, ohne großartige Höhen erwarten zu dürfen.

Die Geschichte von „We’re All In This Together“ ist schnell erzählt. Walter Trout hat weiter enorm viel Spaß am gemeinsamen Musizieren mit anderen Musikern. Er ist sich nicht zu schade in die Blues-Mottenkiste zu greifen und über eitel unreflektierte Eifersuchtsgeschichten wie in „The Other Side Of The Pillow“ zu singen. Das kennen Hörer alles schon und auch wenn sich von Walter Trout niemand mehr Reformen erhofft, bringt das neue Album wieder zu wenig mit, um zu begeistern. Nichts hebt den neuen Langspieler von vorigen Alben ab. Kein inhaltliches Konzept, keine außergewöhnliche Gewichtung in Sachen Stilrichtung oder sonstige Spielereien überraschen auf „We’re All In This Together“. Für Fans und Freunde ist das eventuell genug und Walter Trout hatte mit so vielen, begabten Musikern auf jeden Fall Freude im Studio. Der Großteil der Hörer bleibt von diesem Standardwerk allerdings unberührt.

Anspieltipps:

  • Ain’t Gonna Go Back
  • We’re All In This Together
  • Got Nothin’ Left

Neue Kritiken im Genre „Blues“
Diskutiere über „Walter Trout“
comments powered by Disqus