Motörhead - Under Cöver - Cover
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Motörhead Under Cöver


  • Label: UDR/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
8.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die zweite posthume Veröffentlichung aus dem Hause Motörhead wird definitiv nicht die letzte sein!

Dass es nach dem Tod von Lemmy Kilmister am 28. Dezember 2015 keine neuen Platten von Motörhead mehr geben sollte, wie Drummer Mikkey Dee (53) verkündete, war nicht wirklich glaubhaft. Denn dazu ist das Musik-Business zu sehr ein von Kommerz und Geldgier getriebenes Haifischbecken. Und da davon auszugehen ist, dass es in den Archiven von Lemmy und Motörhead noch diverse Aufnahmen gibt, die bisher nicht das Licht der Welt erblickten, konnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis das erste posthume Produkt aus dem Sack gelassen wurde.

Keine sechs Monate nach Lemmys Ableben stand das Live-Album „Clean Your Clock“ in den Regalen, das am 20. November 2015 im Münchner Zenith mitgeschnitten wurde. Es war zwar nicht der finale Motörhead-Auftritt, aber schon damals war es seh- und hörbar, dass Lemmy nicht in bester Verfassung auf der Bühne stand. Deshalb wird auch heute noch darüber diskutiert, ob dieser im Vorfeld der Tour geplante Release am Ende auch wirklich sein musste. Doch sei’s drum. Der vermeintliche Bann war gebrochen und die Schubladen im Hause Motörhead sind vermutlich noch immer voll.

Lemmy arbeitete jahrelang sporadisch an einem Soloalbum. Hier könnte sich also noch etwas tun. Und wer die Mechanismen der Industrie kennt, der weiß, dass sich immer wieder Beispiele für geschickte Resteverwertungen finden lassen. Das sind nicht nur bis dato unveröffentlichte Konzertmitschnitte, sondern auch Coverversionen. Von denen hatten sich im Laufe von 25 Jahren jede Menge im Motörhead-Katalog angesammelt. Darunter legendäre Nummern wie „God save the queen“ oder auch „Cat scratch fever“. Ganz frisch wurde sogar noch während der „Bad Magic“-Sessions (2015) der David-Bowie-Klassiker „Heroes“ gecovert. Unterm Strich dürften also so viele Coverversionen existieren, dass man locker zwei Alben damit füllen könnte.

„Under Cöver“ greift nun die Idee eines Cover-Albums auf und serviert dem geneigten Hörer elf Songs aus dem Motörhead-Archiv. Diese stammen im Original von Twisted Sister, David Bowie, Rainbow, Metallica, Judas Priest, Ozzy Osbourne, Ted Nugent, den Sex Pistols und den Ramones sowie zweimal von den Rolling Stones und stellen – wie erwähnt – nur einen Bruchteil der bekannten Motörhead-Cover dar. Aber egal. Denn das praktische an „Under Cöver“ ist die gebündelte Darreichungsform, von der wir uns selbstverständlich eine Fortsetzung erhoffen. Denn die Gänsehaut, Lemmys Stimme im Kontext von Nicht-Motörhead-Songs (wieder) hören zu dürfen, ist einfach großartig.

Wer sich mit Coverversionen beschäftigt, muss im Vorfeld wissen, dass es zwei Sorten von Songs gibt: Jene, die im Original so gut sind, dass sie im Prinzip nicht gecovert werden dürften. Dazu zählt mit absoluter Sicherheit „Heroes“ von David Bowie. Und dann wären da noch Stücke, die erst als Coverversion richtig aufblühen. Beispielsweise „With a little help from my friends (The Beatles/Joe Cocker), „Nothing compares 2 U“ (Prince/Sinead O’Connor) oder auch „All along the watchtower“ (Bob Dylan/Jimi Hendrix). Im Fall von Motörhead muss gesagt werden, dass sie ihre Sache bei „Heroes“ richtig gut machen und auch sonst ein gutes Gespür für die Stücke aufbringen, um sie in den Motörhead-Kosmos zu übertragen.

Fazit: Egal ob Pop, Glam- und Punkrock oder Heavy und Thrash Metal – Motörhead stülpen sämtlichen Tracks ihren unverkennbaren Hardrock-Mantel über, der mächtig, räudig und kraftvoll aus den Boxen dröhnt, dass es eine wahre Freude ist. So sind uns Motörhead in Erinnerung – und genau so soll es bitteschön auch bleiben. Deshalb sei den Nachlassverwaltern in Bezug auf die mit Sicherheit kommenden Releases gesagt, dass nicht jede unveröffentlichte Aufnahme auf den Markt geschmissen werden muss. Im Fall von „Under Cöver“ haben die Verantwortlichen allerdings alles richtig gemacht.

Anspieltipps:

  • Heroes
  • Hellraiser
  • Shoot ‘em down
  • Breaking the law
  • Jumpin‘ Jack flash
  • Sympathy for the devil
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