Wucan - Reap The Storm - Cover
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Wucan Reap The Storm


  • Label: MIG Music/SPV
  • Laufzeit: 74 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch nach den Wahlen 2017 bleibt Wucan die stärkste Kreativkraft in Dresden.

Wir haben gebettelt und gefleht, aber auch auf „Reap The Storm“ singen Wucan nicht ausschließlich auf deutsch. Die Dresdner Krautrocker musizieren sich weiterhin fröhlich durch Lieder, die schon mal so lang wie eine Fernsehepisode ohne Werbepausen sind. „Reap The Storm“ ist keine leichte Kost, die allerdings gerade für Nostalgiker unwiderstehlich ist. Authentisch wie Wolfmother begeben sich die vier auch optisch den 70ern entsprechenden Dresdner um Sängerin Francis Tobolsky auf eine konsequente Fortsetzung ihrer Soundreise. Die Überraschung des vorigen Albums „Sow The Wind“ ist zwar verlorengegangen. Entscheidend für den folgerichtig betitelten Nachfolger „Reap The Storm“ ist allerdings die anhaltende Qualität.

Den Höhepunkt des Albums stellt die Eröffnung „Wie Die Welt Sich Dreht“ dar. Wie Francis dem Krautrock mit deutschen Texten beikommt, bleibt faszinierend. Sie schmeißt die Worte geradezu aus ihrem Mund und gibt der deutschen Sprache den Klang einer Zauberformel. Hypnotisierend anders stampft die Band zu vertrauten Worten, die unwirklich im Ohr ankommen, aus den Boxen. Das hat etwas von Led Zeppelin auf deutsch. Zu zeigen, wie vielfältig die deutsche Sprache anwendbar ist, ist eine Kunst, die leider viel zu selten derart kreativ angegangen wird. Wucan hängen aber auch an den Vorbildern des Genres und diese spielen ihre Tracks in englischer Sprache ein. Dementsprechend verabschiedet sich die deutsche Sprache mit Ausnahme der Ballade „Falkenlied“. In „Falkenlied“ gibt sich Francis ätherischem Minnesang hin, der leider nicht annähernd so spannend ist, wie der Gesang im Opener.

Aber auch ohne den Einsatz der deutschen Sprache bleibt Wucan eine Band, die ihr Handwerk versteht. Schlicht einige Klassen über den lokalen Vertretern ist das Quartett ein würdiger Vertreter der Dresdner Stoner-Szene, ohne sich ihr direkt aufzudrängen. Frei nach The Mars Volta schaffen sie mit „Aging Ten Years In Two Seconds“ scheinbar im Vorbeigehen ihr eigenes Opus à la „Cassandra Gemini“. Gleichzeitig beherrschen sie kanckige Stoner-Sounds („Out Of Sight, Out Of Mind“) oder rocken sich in guten fünf Minuten zur Ekstase. Wenn Panflöte und Co. dabei zum Einsatz kommen, bekommen Hörer nie das Gefühl, das hier auf Effekte oder Normen gesetzt wird. Die Songs brauchen diese Einsätze, um sich vollends zu entfalten. Dieses Gespür macht „Reap The Storm“ zu mehr als einer Fortsetzung. Das Album ist eine Fortentwicklung. Wucan ernten keinen Sturm, sondern ein reiches Beet an geschmackvollem Prog-Rock von Gestern. Und darin macht ihnen so schnell keiner was vor.

Anspieltipps:

  • Wie Die Welt Sich Dreht
  • Out Of Sight, Out Of Mind
  • Aging Ten Years In Two Seconds

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