A Giant Dog - Toy - Cover
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A Giant Dog Toy


  • Label: Merge Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
10/10 Leserwertung Stimme ab!

Ambitionen sind was für andere Musiker. A Giant Dog bleiben ihrem persönlichen und unterhaltsamen Stil treu und rocken sich durch jegliche Lebenssituation.

Gute Nachrichten für alle, die A Giant Dog Sängerin Sabrina Ellis faszinierend finden. Auf „Toy“ gibt die Frontfrau der Band aus Austin, Texas vieles über sich preis. Versagensängste, sexuelle Erfahrungen und Schlafstörungen werden im Detail dargelegt. Die musikalische Untermalung der ganz privaten Leiden der jungen Sabrina ist dabei weiterhin ein krasser Gegenpol. Schnell, hektisch und immer mit dem Blick nach vorne gerichtet, scheint die Band gemeinsam Kämpfe gegen die eigenen Macken zu führen. Da Sabrina sich die Texter-Arbeit mit Gitarrist und Sänger Andrew Cashen teilt, entsteht das gleiche Ratespiel wie bei And You Will Know Us By The Trail Of Dead. Wie viel ist am Ende wahr, was ist lediglich eine Mischung der Erfahrungen und Gefühle des Duos? Diese Fragen und die musikalische Spiegelung der Ungewissheit geben einem geradlinigen Rockalbum unerwartete Tiefe.

Wenn sich „Get Away“ als Opener genüsslich in eine Endlosschleife begibt und die Hörer einlullt, scheint das Konzept der Band schnell klar. Dieses Quintett weiß gute Melodien zu schreiben, hat aber nichts dazu zu erzählen. Noch mit dem Beginn von „Fake Plastic Trees“ stellen sich Hörerohren auf 40 unterhaltsame Minuten ein, die allerdings nicht haften werden. Und dann kommt der Knackpunkt in „Fake Plastic Trees“. Nach 96 Sekunden ertönen Streicher, an denen Sabrina Ellis emporklettert und ein ungeahntes Pathos in das Stück einarbeitet. Plötzlich ist die vermeintlich harmlose Rocknummer um die Ablenkung von Arbeit ein innerer Konflikt, der die Sängerin zu spalten droht. „Fake Plastic Trees“ etabliert mit seinem Zwischenteil, dass A Giant Dog oft mehr Inhalte transportieren, als die Ohren zuerst vermuten.

„Fake Plastic Trees“ ist zu verdanken, dass disharmonische Elemente in „Toy Gun“ auffallen. Die Band aus Texas spielt und singt nicht phasenweise schräg, um anzuecken, sondern um die eigene Unsicherheit und Zerrissenheit hörbar zu gestalten. Die Ausdrücke Teenage Angst und Emo kommen zu Recht auf. Statt Klischees sind diese emotionalen Misstöne essenziell für „Toy“. Sie geben krachenden Rocksongs wie „Lucky Ponderosa“ Tiefe und geben vermeintlich platten Texten wie in Photograph“ Kontext. A Giant Dog etablieren sich glaubwürdig als Band, die von einfachen, aber treibenden Gefühlen singen. Die unbändige, jugendliche Liebe, die zu tagelangen Tagträumen führt ist nichts Besonderes. Aber der ekstatisch optimistische Ton Sabrinas in Kombination mit der Spielfreude der Band vermittelt das Gefühl der blinden Liebe wunderbar.

Dass A Giant Dog auf „Toy“ menschlich unglaublich greifbar erscheinen, ist ein großes Plus der LP. Gleichzeitig ist die Sympathie kein Freibrief für die Musik. Viele Stücke auf „Toy“ machen in erster Linie Spaß. „Angst In Your Pants“ und „Tongue Tied“ sind unterhaltsamer Zeitvertreib, aber die Qualitätsunterschiede zu „Fake Plastic Trees“ sind groß genug, um aufzufallen. Oft schunkeln Hörer zu der gefälligen Musik, aber das Ziel dieser Musik ist es, sie laut mitzusingen. In „Get Away“ und „Night Terror“ gelingt das der Band auch ohne musikalische Kniffe. Genauso oft fällt der einfache Ansatz aber auch flach. Lieder fegen über den Köpfen der Hörer hinweg und versprechen drei Minuten in Ekstase. Zurückdenken tun Hörer an die selteneren, eindrucksvollen Momente. Die Mischung ist nach 40 Minuten kraftvoll und charismatisch genug, um das Positive überwiegen zu lassen. „Toy“ hat vom hässlichen Cover über großteils faule Songstrukturen viele, offensichtliche Fehler. Aber wenn das Album dann doch zündet, ist das Mittelmaß sofort vergessen.

Anspieltipps:

  • Fake Plastic Trees
  • Night Terror
  • Toy Gun

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