Sivu - Sweet Sweet Silent - Cover
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Sivu Sweet Sweet Silent


  • Label: Square Leg Records
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

In der Ruhe liegt die Kraft. Die Songs von Sivu scheinen sich jenseits von Raum und Zeit abzuspielen.

Mit „Quiet Is The New Loud“ engagierte sich das norwegische Folk-Pop-Duo Kings Of Convenience im Jahr 2001 für ein Umdenken und trat damit eine Mini-Renaissance der leisen, bedächtigen, besinnlichen Töne los. Die Vorzüge der Ruhe mit der Möglichkeit zur inneren Einkehr werden auch von Sivu bei seinem zweiten Longplayer durch den Titel „Sweet Sweet Silent“ angekündigt. Das Wort Sivu ist finnisch und bedeutet „Seite“. Es ist auch der Künstlername von James Page aus England. Dieser investierte zwei Jahre Arbeit in die Umsetzung der neuen Lieder und verbrachte diese Zeit in Cambridge und Brixton sowie in Nord-Schottland.

„Submersible“ lebt den Art-Pop-Gedanken durch kunstvoll verschnörkelte, intime Verzierungen aus. Schmückende Gesangssätze, die an Opernarien angelehnt sind, erinnern in ihrer vibrierend-klagenden Form an Anohni (ehemals Antony And The Johnsons). Bei „Lonesome“ gibt es Momente, da scheinen die Töne ohne gegenseitige Berührung frei zu schweben. Es werden Gesangspassagen eingebaut, die eine Karikatur von asiatischen Liedern simulieren. Die Kombinationen von romantischer Klassik-Avantgarde und Fake-Weltmusik bilden hier einen stimulierenden Kontrast.

Hinreißend schön wurde die Pop-Ballade „Kin And Chrome“ konstruiert. Der Gesang legt sich wie ein weiches Kissen um die Noten und die Instrumentierung agiert so einfühlsam und vorsichtig, als wolle sie niemanden stören. Was zu einer innigen Verbindung zwischen Künstler und Hörer führt. Das Stück „Sweet Sweet Silent“ verlängert die zärtliche Seelenmassage. Geigen bilden die Treppenstufen ins gelobte Land und die verführerische Stimme ebnet den Weg dorthin. Das fragile „Blood Clots And Pheromones“ ist das akustische Gegenstück zu einem mit Wasserfarben beiläufig und leicht gemalten Bild.

Sivus Gesang wechselt bei „Flies“ von einer femininen zu einer maskulinen Ausrichtung. Der Song präsentiert dann im Wechsel sowohl introvertierte wie auch extrovertierte Momente. Simple Piano-Akkorde bilden die Basis von „Childhood House“. Die intime, eindringliche Stimmung lässt sich auch durch dezent eingeblendete Störgeräusche nicht aus dem Lot bringen. Hinter „Drastic Change“ verbirgt sich nicht unbedingt eine Abkehr von der konstruktiven Melancholie in der Musik. Im Vergleich zu den vorherigen Stücken schlägt hier jedoch ein deutlicher Dynamikgewinn zu Buche.

„Moon River“ ist im Original ein sentimentales Lied, das die Schauspielerin Audrey Hepburn in dem 1961 erschienenen Film „Frühstück bei Tiffany“ sinnlich-traurig hauchte. Damit berührte sie etliche Kinobesucher und erhielt für diese Leistung einen Oscar. Mit „My Moon River“ hat Sivu sein persönliches gefühlsbetontes, artverwandtes Duplikat geschaffen. Das Album klingt mit dem ausgeglichenen, versöhnlichen „Wonder In Me“ aus. Das Lied zeigt, wie mit wenigen, kaum variierten Zutaten der Langeweile ausgewichen werden kann. So funktioniert idealerweise Minimal-Art-Pop.

Sivu lässt sich voll und ganz von seinem persönlichen Zeitmanagement leiten und gibt den Kompositionen die für sie nötige Ruhe und Entschleunigung. Hierdurch entwickeln sie ein Eigenleben, das nicht mit herkömmlichen Hörgewohnheiten abgestimmt wurde. Als Vergleiche, Einflüsse und Inspirationen lassen sich Elliott Smith, Oren Lavie und Radiohead anführen, die ebenso ihren individuellen Biorhythmus als Taktgeber in die Musik einfließen ließen.

Die anrührende Melancholie von James Page hat eine sinnliche Komponente, die dafür sorgt, dass die Klänge bei aller Besinnlichkeit keine hoffnungslose Trauerstimmung aufkommen lassen. Sie sind vielmehr ein verständnisvoller, mitfühlender Begleiter in allen Lebenslagen.

Anspieltipps:

  • Submersible
  • Lonesome
  • Kin And Chrome
  • Sweet Sweet Silent
  • Blood Clots And Pheromones

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