Gogol Bordello - Seekers And Finders - Cover
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Gogol Bordello Seekers And Finders


  • Label: Cooking Vinyl/Sony Music
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
10/10 Leserwertung Stimme ab!

Gogol Bordello sind die perfekte Ergänzung zu Bands wie Skinny Lister und kämpfen ebenfalls damit, dass ihre Alben dem hervorragenden Live-Ruf oft nicht gerecht werden.

Aufnahmen von Konzerten und auf dem Backcover des neuen Albums „Seekers And Finders“ lassen optisch keine Zweifel zu. Gogol-Bordello-Frontmann Eugene Hütz wäre gerne Frank Zappa. Selbst seine philosophisch angehauchten Aussagen passen zum erstaunlich nachdenklichen und gleichzeitig antiautoritären Frank Zappa. René Descartes’ „Ich denke, also bin ich“ stellt Hütz um in „Ich fühle, nehme wahr und erfahr, also rocke ich, Scheiße noch mal!“ Dieser Party-Ansatz des sich selbst Erfahrens ist seit jeher die Devise bei Gogol Bordello, die ähnlich wie Skinny Lister Musik für Live-Shows schreiben. „Seekers And Finders“ stellt hierbei keine Ausnahme dar.

Wie viele energetischen Stücke, die für Live-Auftritte konzipiert sind, müht sich das Album, die Spannung über 38 Minuten aufrecht zu halten. Vom Opener „Did It All“ an ist klar, dass dieser Musik für ein Album der Spannungsbogen fehlt. Hier wird gefeiert und aus allen Rohren gefeuert. Der Gypsy-Anteil beschränkt sich auf „Seekers And Finders“ auf die Auswahl einiger Instrumente im Hintergrund. Stattdessen regieren auf dem neuen Album Classic-Rock, Hardrock und Heavy-Metal. „Did It All bedient“ sich schamlos bei Heavy-Metal-Größen und streut minimal quer erscheinende Bridges und Ideen ein. Diese kurzen, psychedelischen Anflüge sind allerdings inkonsequent und bremsen ein Album, das das Leben zelebriert.

Schnell und wild in „Break Into Your Higher Self“ oder als Rock-Ballade im Titeltrack ist Devise: und nun alle singen und tanzen! Was live garantiert bei jedem der 11 Titel auf „Seekers And Finders“ funktioniert, hakt auf dem Album etwas. „Familia Bonfireball“ wird lediglich jene unterhalten, die jedes Mal durch ihr Wohnzimmer hüpfen. Andere Lieder wie „Break Into Your Higher Self“ und „Saboteur Blues“ sind stilistisch zu nah am Opener, um auf dem Album für herausragende Momente zu sorgen. Was live Teil einer wilden Fete ist, klingt ohne die Live-Atmosphäre zu gleich, um hochgradige Unterhalten zu bieten. Stilwechsel zu ruhigen Stücken wie „Clearvoyance“ oder dem Gypsy-Spy-Song „Love Gangsters“ retten das Album aus dem Mittelmaß und erinnern uns daran, dass Gogol Bordello unterhaltsam bekloppt sind.

Die Vielfalt macht „Seekers And Finders“ zu einer insgesamt guten Erweiterung des Gogol-Bordello-Katalogs. Lieder wie „If I Ever Get Home Before Dark“ betteln darum, endlich regelmäßig Live-Shows zu verbessern. Diese fühlbaren Höhepunkte sind das Album wert. Gogol Bordello leiden weiter darunter, dass sie die Kraft ihrer Live-Musik nicht gleichwertig für Alben schaffen. Ob das an der zu getreuen Umsetzung oder zu kontrollierten Bedingungen bei den Aufnahmen geschuldet ist, weiß die Band selbst am besten. Bedeutsam ist dieser Fakt insbesondere für Nicht-Fans, die neugierig sind. Diesen sei weiterhin geraten sich Gogol Bordello erst live anzusehen. Die CDs zu kaufen ist eher zweitrangig und eine Gesangshilfe fürs nächste Konzert. „Seekers And Finders“ ist eine bittersüße Erinnerung daran, dass die Band auf Silberlingen nicht an die hervorragende Live-Qualität herankommt.

Anspieltipps:

  • Did It All
  • If I Ever Get Home Before Dark
  • Seekers And Finders

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