John Van Deusen - (I Am) Origami Pt. 1: The Universal Sigh - Cover
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John Van Deusen (I Am) Origami Pt. 1: The Universal Sigh


  • Label: Devilduck/INDIGO
  • Laufzeit: 34 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn Titel täuschen: „The Universal Sigh“ ist der poppige Auftakt zu einem Alben-Quartett, dessen Route durch die Eröffnung nicht viel erahnen lässt.

John liebt eingängige Melodien. Wenn das Solo-Debüt „The Universal Sigh“ eine Erkenntnis hinterlässt, dann diese. Außerdem setzt das Devilduck-Label seinen Trend vor, Musiker einfach machen zu lassen. Wie schon Matthew Logan Vasquez von Delta Spirit hält sich van Deusen nicht an Trends. Der Musiker fällt durch seine losgelöste Art im Vergleich zu aktuellen Chartstürmern auf. Das eigene Ding zu machen, ist allerdings auch nur durchgehend löblich, wenn die Qualität stimmt. Trotz des vollmundigen, kompletten Albumtitels „(I Am) Origami Pt. 1: The Universal Sigh“ ist van Deusens Debüt ein Album, das zwischen seichtem Rock und Synthie-Pop für sorglose Momente zu sorgen versucht. Ein entspannendes Unterfangen, dem am Ende Konzentration und Luft fehlen.

Am ehesten lässt sich John van Deusens Ansatz mit Bands wie The Shins und den One-Hit-Wondern des neuen Jahrtausends. Das große Manko vorne weg: auf „The Universal Sigh“ fehlen die Hits. Die erfrischende Abwesenheit von Genre-Zwängen stößt dadurch schnell an ihre Grenzen. Nette Hymnen wie „Masterworks“ und Uptempo-Titel wie „Don’t Pitch Correct Me“ zeugen von der Produktion her von einer eigenen Handschrift, aber die Lieder selbst lassen den begeisternden Funken vermissen. Das zwiespältige Wörtchen „nett“ begleitet jeden einzelnen Satz, während „The Universal Sigh“ im Hintergrund spielt. Bei „I Was Six“ und „Absentee Heart“ schleicht sich der Gedanke dazu, dass ein Musiker hier bereits am Limit spielt. Hinter den soliden Melodien versteckt sich keine weitere Tiefe und das Mittelmaß ist der Höhepunkt eines Albums, das aggressiv unauffällig bleibt.

Weinen, lachen, entspannen: all diese Emotionen werden angerissen, aber kein Song bringt Hörer zum Schwelgen. Die Ausnahme, die die Regel bestätigt, ist der Titeltrack. Hier findet van Deusen diese eine Melodie, die beim Hörer bleibt. Das liegt auch am auffälligen Falsettgesang, der wie ein Ausbruch aus der eigenen Schale wirkt. Der Song verändert die Pop-Landschaft nicht, aber er verdient van Deusen seinen eigenen Platz auf Playlisten. Dass noch mehr dieser Lieder in ihm schlummern, ist van Deusen nur zu wünschen.

Abgesehen vom Titeltrack ist der ausgestoßene Seufzer nach Ablauf der Spielzeit eher ein Spiegel einer Reaktion als eines Gefühls. Das war also das Album. Nun gut. „The Universal Sigh“ fehlen weitestgehend Emotionen, die den Hörer bewegen. Da van Deusen drei weitere Alben geplant hat, die im Geiste mit „The Universal Sigh“ zusammenhängen, ist die große Frage, wo der Musiker mit dieser Musik hinwill. Der Auftakt verfehlt das Ziel auf einer essenziellen Ebene. Gut und eigenständig produziert, aber ohne das nötige Gespür für die eigenen Texte bleibt dieses Debüt nicht haften und ist bis zum zweiten Teil des geplanten Album-Quartetts wahrscheinlich in Vergessenheit geraten.

Anspieltipps:

  • The Universal Sigh
  • Absentee Heart
  • Don’t Pitch Correct Me

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