Grand Funk Railroad - Trunk Of Funk Vol. 2  - Cover
Große Ansicht

Grand Funk Railroad Trunk Of Funk Vol. 2


  • Label: Virgin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 249 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
4/10 Leserwertung Stimme ab!

Teil 2 der Geschichtsstunde für Classic-Rock-Anhänger: Die Alben von Grand Funk Railroad von 1972 bis 1976 in einer Box.

„Trunk Of Funk Vol. 2“ beleuchtet die Bandgeschichte von Grand Funk Railroad von 1972 bis 1976. Bei „Phoenix“ aus 1972 gab es gleich zwei maßgebliche Änderungen: Der Bandname wurde auf Grand Funk gekürzt und der Keyboarder Craig Frost stieg als festes viertes Mitglied ein. Gleich beim Auftakt, dem instrumentalen „Flight Of The Phoenix“ offenbart er seine Soundprägung. Das Stück wird nämlich von einer grollenden, swingenden Orgel getragen. Grand Funk treten damit in die Fußstapfen der Stax-Records-Groove-Band Booker T & The MG`s (Remember: „Time Is Tight“). Auf „Phoenix“ ist der Keyboarder sofort zur festen Größe geworden und beeinflusst den Klang maßgeblich: Seine funky zischenden, rumorenden Orgelsätze verleihen der Musik auch im weiteren Verlauf Fülle und Glanz. „I Just Gotta Know“ erhält dadurch gleich mehrere Bestandteile: Groove, Intellekt und Wucht. Der Hit des Albums ist jedoch „Rock & Roll Soul“. Dieser Track vereinigt die positive Stimmung der Doobie Brothers mit dem melodischen Hard-Rock von Bad Company.

Noch wesentlich stimulierender und prägnanter ist „We're An American Band“ (1973) ausgefallen. Das Titelstück und „Walk Like A Man (You Can Call Me Your Man)“ ertönen so einnehmend, als hätte der Sound eine Frischzellenkur mit allen bemerkenswerten Tugenden der Gruppe hinter sich. Und mit „Black Liquorice“ entwickelten die Musiker sogar so etwas wie eine Klang-Vorlage für AC/DC. Das Album wurde vom Psychedelic-Pop-Wizzard Todd Rundgren produziert, der für einen breiten, vollen und gleichzeitig transparenten Ton sorgte. Dadurch vermitteln die Songs trotz variierender Stile einen homogenen Eindruck. Schlagzeuger Don Brewer kam zusätzlich als Lead-Sänger zum Einsatz und hatte große Anteile an den Kompositionen. Grand Funk fokussierten sich auf einen variablen, knackigen und für damalige Verhältnisse radiotauglichen Rock-Sound, der in Teilen den Stadion-Rock solcher Bands wie Boston oder Foreigner vorwegnahm.

Dem Hard- und Heavy-Rock-Image entwachsen, boten Grand Funk weiterhin abwechslungsreiche Alben an, so wie „Shinin` On“ von 1974: Beim Titeltrack wird ein packender, spaciger Orgel-Groove verwendet und die Cover-Version des Hits „Loco-Motion“ von Little Eva aus 1962 zwingt auch in dieser Fassung Tänzer auf die Tanzfläche. Auch bei „Please Me“ mag man kaum still sitzen bleiben. Der coole Blues „Mr. Pretty Boy“ besitzt unterdessen durch seine psychedelische Komponente eine entschleunigt-berauschende Wirkung. „All The Girls In The World Beware!!“ von 1974 nähert sich solcher Mainstream-Pop-Rock-Acts wie Chicago, Alice Cooper oder Santana an. Die glatte Produktion von Jimmy Ienner (The Raspberries) tut den Songs dabei selten gut. Nur „Runnin`“ profitiert als flotter Brass-Rock mit Ska-Touch von dem Pop-Sound. Wenn dann aber wallende Streicher ins Spiel kommen, ist es endgültig aus mit der Spannung. Dem R&B-Stomper „Look At Granny Run Run“, im Original von Howard Tate, kann allerdings nicht der Schwung genommen werden und mit „Some Kind Of Wonderful“ belebt das Trio den Hit der Soul Brothers Six aus 1967 neu.

Ab „Caught In The Act“ (1975) nannte sich die Band wieder Grand Funk Railroad und zeigte mit diesem Live-Album, dass sie auf der Bühne immer noch eine energiegeladene, stark rockende Einheit sein kann. Die Auswahl enthält sowohl frühe Tracks wie „Inside Looking Out“ (1970) und auch aktuelles Material („Some Kind Of Wonderful“). Natürlich ist auch der Hit „We`re An American Band“ und die Cover-Version von „Gimme Shelter“ vertreten. Überraschungen gibt es allerdings keine, nur solides Handwerk. „Born To Die“ (1976) ist die schwächste Platte der Box. Der blasse, unspektakuläre und manchmal aufdringlich-dünnblütige Mainstream-Rock ist gesichtslos und auch die besseren Songs kommen bei der Bewertung nicht über den Durchschnitt hinaus.

„Trunk Of Funk Vol. 2“ beinhaltet sechs Grand Funk-Platten, die zwischen 1972 und 1976 erschienen sind. Diese wurden wieder für die Box in schöne Papier-Klapp-Cover gesteckt und enthalten bis auf „All The Girls In The World Beware!!“ (1974) und „Caught In The Act“ (1975) Bonus-Tracks. Auch wenn aus heutiger Sicht manches angestaubt und anachronistisch klingen mag oder manche Songs nur Durchschnittsware sind, so hat sich die Band mit ihrem Gesamtwerk doch einen respektablen Platz in der Rockhistorie erarbeitet. Sie leistete Pionierarbeit für den Hard- und Heavy-Rock-Bereich, gab Anstöße zu dem, was später als Jam-Rock bezeichnet wurde und war auch nicht unschuldig am Aufkommen des Stadion-Rock. Deshalb ist „Trunk Of Funk Vol. 2“ auch eine sinnvolle Ergänzung zum ersten Teil der pophistorischen Aufarbeitung.

1976 fiel Grand Funk Railroad auseinander. Bevor „Born To Die“ erschien, hatten sich die Musiker schon inoffiziell getrennt und planten ein letztes gemeinsames Album, das von Frank Zappa produziert wurde („Good Singin`, Good Playin`“). Mark Farner verfolgte danach eine Solo-Karriere und Brewer & Schacher machten als Flint weiter. Grand Funk Railroad wurde von 1981 bis 1983 und 1997 mit Mark Farner erneut ins Leben gerufen. Ohne ihren ehemaligen Frontmann besteht die Formation mit Brewer und Schacher sowie neuen Mitgliedern bis heute fort und pflegt den vergangenen Ruhm, der sich auch in über 20 Millionen verkaufter Tonträger niederschlägt.

Anspieltipps:

  • I Just Gotta Know
  • Rock & Roll Soul
  • We're An American Band
  • Walk Like A Man (You Can Call Me Your Man)
  • Mr. Pretty Boy
  • Look At Granny Run Run
Neue Kritiken im Genre „Rock“
9/10

News Of The World (40th Anniversary Edition)
  • 2017    
8/10

Automatic For The People (25th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „Grand Funk Railroad“
comments powered by Disqus