Grand Funk Railroad - Trunk Of Funk Vol. 1  - Cover
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Grand Funk Railroad Trunk Of Funk Vol. 1


  • Label: Virgin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 321 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Geschichtsstunde für Classic-Rock-Anhänger: Die Alben von Grand Funk Railroad von 1969 bis 1971 in einer Box.

Was heute bei Massenspektakeln wie in Wacken sein brachiales Gesicht zeigt, hat seinen Ursprung in den späten 1960er Jahren. Bands wie Steppenwolf, Blue Cheer, MC5 und Iron Butterfly ebneten in den USA den Weg für einen mächtig rockenden und dröhnenden Sound, der bis heute als Hard- und Heavy-Rock oder Heavy-Metal etliche Ausprägungen erlangte. In Großbritannien hießen die Wegbereiter dieser Musikrichtung z.B. Cream, Black Sabbath, Deep Purple und Led Zeppelin.

Im Zuge dieser Entwicklung schlossen sich auch Mark Farner, Donald Brewer und Melvin Schacher 1969 im Staat Michigan (USA) zu dem Power-Trio Grand Funk Railroad zusammen. Große Aufmerksamkeit erlangte das Dreigespann noch im selben Jahr mit ihrem Auftritt beim Atlanta Pop-Festival vor 100.000 Leuten. Ihr Manager hatte nämlich erreicht, dass die Musiker dort als Außenseiter auftreten durften, weil er auf die Gage verzichtete. Prompt erhielt die Gruppe danach einen Plattenvertrag und brachte umgehend ihr erstes Album heraus.

Wandelt das Debüt „On Time“ (1969) noch etwas zögerlich und unausgereift zwischen Hard-, Psychedelic- und Blues-Rock hin und her, so zeigen die Songs des Nachfolgers „Grand Funk“ (1970) deutlich mehr eigenes Profil und Biss. Der Boogie „High Falootin' Woman“ schäumt prickelnd und die epischen Heavy-Boogie-Blues-Nummern „In Need“ und „Inside Looking Out“ (im Original von Eric Burdon & The Animals) besitzen trotz ihrer Härte einen elastischen Groove. Im Verlauf dieser Stücke werden Erinnerungen an „Five To One“ der Doors sowie an „Whole Lotta Love“ von Led Zeppelin wach. Ihren für diese Phase charakteristisch donnernden und explosiven Sound erreichte das Trio auch durch den gelegentlichen Einsatz des Bass als wuchtiges Lead-Instrument, wodurch die verzerrte Gitarre einen gewichtigen Sparringspartner bekam. Der Schlagzeuger konnte sich nur deshalb gegen diese Macht durchsetzen, weil er intensiv prasselnd, scheppernd und rumpelnd dagegen hielt. Mark Farner sang dazu nicht nur als atemloser Shouter, sondern ließ auch Milde walten, so dass die Emotionspalette eine nachsichtige Komponente erhielt.

„Closer To Home“ (1970) ist gegenüber dem Vorgänger kompakter und weniger ausschweifend hinsichtlich der Solo-Ausflüge ausgefallen. Keyboard-Einlagen sorgen für ein abwechslungsreiches Stimmungsbild und Gospel-, Soul- und Pop-Einflüsse lockern die Rock-Basis auf, vergraulen aber wahrscheinlich die Hard- und Heavy-Puristen. Das flexible „I Don' t Have To Sing The Blues“ könnte in seiner Raffinesse sogar von Stephen Stills Americana-Projekt Manassas stammen und der Song „Closer To Home (I`m Your Captain)“ klingt nach lässig-verträumtem Westcoast-Soft-Rock. Die Platte bietet insgesamt einen überzeugenden Übergang zu neuen Spielformen, auch wenn das Rocker-Image darunter leidet. Das „Live Album“ (1970) belegt nochmal eindrucksvoll die ungestüme, heftige Bühnenpräsenz der Formation, ist aber klangtechnisch trotz Remastering nicht auf der Höhe der Zeit. Die Aufnahmen zeigen eine eindeutige Ausrichtung auf aggressive Sounds, die die Gruppe in dieser Konsequenz allerdings schon auf „Closer To Home“ zugunsten von Kompromissen für gemäßigte Musik-Stile weitgehend abgelegt hatte. Diese Haltung wurde von Kritikern negativ ausgelegt. Sie ist aber im Nachhinein betrachtet eigentlich eine Stärke, denn dadurch förderte die Band den Fusionsgedanken innerhalb der Rock-Fraktion.

Auf „Survival“ (1971) wird der variable Rock-Mix aus Blues-Rock-, Boogie-, Gospel- und Soft-Rock-Anleihen fortgesetzt und es kommen prominente Cover-Versionen wie „Feelin' Alright“ von Traffic oder „Gimme Shelter“ von den Rolling Stones zum Einsatz, die respektabel umgesetzt werden. Der Song „Jam (Footstompin' Music)“ ist der letzte reguläre Titel von „Survival“ und in einer abgewandelten Version der erste Song auf dem Nachfolgealbum „E Pluribus Funk“ (1971). Dieser heftig groovende Track bietet einen Vorgeschmack darauf, dass der Funk nicht nur im Bandnamen und Albumtitel, sondern auch als zusätzliche Komponente in der Musik angekommen ist. Das manifestiert sich unter anderem bei „People Let`s Stop The War“, einem Funk-Rock, der auch im Programm von Sly And The Family Stone Sinn gemacht hätte. „E Pluribus Funk“ gibt sich grundsätzlich kämpferisch und rockt bodenständig. Bei „Loneliness“ werden allerdings schwelgende Streicher eingesetzt, die neben dem sehnsüchtig schmachtenden Gesang dazu beitragen, dass das Lied durch Bombast unnötig aufgebläht wird. Und bei „I Come Tumblin`“ verzettelt sich die Band mit unnötigen Solo-Eskapaden, was vielleicht damit zu tun hatte, dass die Aufnahmen in weniger als einer Woche fertig gestellt wurden.

„Trunk Of Funk Vol. 1“ deckt die Schaffensperiode von 1969 bis 1971 mit sechs Veröffentlichungen ab. Diese wurden für die Box in kleidsame Papier-Klapp-Cover gesteckt und enthalten bis auf das „Live Album“ Bonus-Tracks. Grand Funk Railroad war in der dokumentierten Zeit ständig unterwegs. Kein Wunder, dass bei dieser Belastung nicht jeder Song ein Edelstein geworden ist. Bemerkenswert bleibt jedoch die Energie, die die Musiker entwickeln konnten, wie auch ihr Wille zur Veränderung, den sie konsequent durchzogen. Sie waren Stil-Pioniere und durch ihren kommerziellen Erfolg auch Trendsetter. Allein wegen diesen Eigenschaften ist diese Box historisch wichtig und bietet für den nicht Eingeweihten ein großes Entdeckungspotential.

Anspieltipps:

  • High Falootin' Woman
  • I Don't Have To Sing The Blues
  • Closer To Home
  • Gimme Shelter
  • Footstompin' Music
  • People Let`s Stop The War

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