Louka - Lametta - Cover
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Louka Lametta


  • Label: Four Music/Sony Music
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Louka bringt auf ihre Art der deutschen Pop-Musik den Soul bei.

Kunst ist Ansichtssache und Genres sind eher eine Hilfe zur Einordnung und keine Regel. Wenn wir Loukas Musik mit dem Ausdruck Soul versehen, dann heißt das nicht, dass Sie wie Mavis Staples klingt. Nein, Soul heißt im Zusammenhang mit Loukas Pop-Musik viel mehr, dass sie jeden Moment mit Seele füllt. Ihre Geheimwaffe dabei ist ihre Stimme, die irgendwo zwischen gepresst und verträumt aus den Boxen klingt. Das mag für manche Hörer affektiert wirken, passt aber sehr gut zum minimalistisch wabernden Klang des Albums. Louka erinnert auf ihre Art daran, was schon Naima Husseinis Debüt stark gemacht hat: klar definierte Rhythmen, verwinkelte Soundscapes und eindringliche Stimmen.

Gerade zum Auftakt des Albums versteht Louka ihren durchdringenden Gesang mit leicht zugänglichen Pop-Melodien zu paaren. „Wenn Ich Mit Dir Bin“ und „Outro“ sind inhaltlich weniger interessante Liebesballaden, die dafür gleich in Kopf und Herz übergehen. Überhaupt fällt schnell auf, dass die Form bei Louka über dem Inhalt steht. Die Texte sind sehr ich-bezogen und beschreiben Gefühle statt Motive. Trotzdem sind die Titel meist offen genug gehalten, dass sich die meisten Hörer in die Texte hineinfühlen können. Durch die durchgehend guten Melodien hält Louka in jedem Fall alle Trümpfe in der Hand. Gekonnt altmodisch im Stile der 90er in „Vorübergehen“ und „Dominosteine“ oder modern in „Flimmern“ reißt Louka mit dem Klang mit. Der Text ist sekundär. Louka reiht die Worte anders aneinander als andere, aber sagt mit dem Klang ihrer Stimme mehr als mit ihren Worten.

Am deutlichsten ist diese Stärke in „Utopia“ zu hören. Wenn entscheidend ist, wie Louka das Titel gebende Wort spricht und singt. „Utopia“ ist gleichzeitig weit entfernt von den potenziellen Indie-Hits der ersten Hälfte. Die Momente aus „Utopia“ sind es allerdings auch, die Louka am ehesten als Kunstwerk darstellen. Hier gewinnt das Album an Tiefe und bringt auch ohne Ohrwurm und Uptempo auf den Punkt, das Louka ein starkes Gespür für gute Musik hat. Außer der stereotyp anmutenden Abschlusshymne „Niemals Bereut“ ist „Lametta“ zugänglich, ohne sich anzubiedern. Dass nicht alles perfekt ist, ist geschenkt, wenn ein deutsches Pop-Album so viel Seele in sich trägt und sie mitreißend transportiert.

Anspieltipps:

  • Utopia
  • Wenn Ich Mit Dir Bin
  • Vorübergehen

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