Loney Dear - Loney Dear - Cover
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Loney Dear Loney Dear


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
9/10 Leserwertung Stimme ab!

Loney Dear ist hin- und her gerissen zwischen kalter Berechnung und der Suche nach echten Gefühlen. Ein betörend verwirrender Trip voller Kälte.

Niemand widerspricht Peter Gabriel gerne. Gabriel ist eine Institution der Popmusik und wenn er sagt, dass Loney Dear ein heißes Eisen ist, dann wollen Hörer das so hinnehmen. Dass der Schwede Emil Svanängen unter seinem Pseudonym Menschen wie Peter Gabriel gefällt, verwundert dabei kaum. Vielschichtig verkopft macht er als Loney Dear Pop-Musik, die bei aller Geradlinigkeit ständig Abbieger in dunkle Gassen macht. Gleich die Eröffnung „Pun“ ergötzt sich an plötzlichen Tonwechseln, überlappenden Soundscapes und Samples, die eine eigenartige und einzigartige Stimmung erzeugen. Nicht wenige Hörer vermuten zurecht einen spirituellen Nachfolger von Thom Yorkes Projekt „The Eraser“.

Wo „The Eraser“ mit dystopisch anmutender Hilflosigkeit gegenüber dem elektronischen Zeitalter überzeugt, verliert sich Loney Dear lieber in grandiosen Klängen, die dem PC-Gott huldigen. „Humbug“ ist eine hektisch anhimmelnde Hymne, die mit Falsett-Gesang und hüpfenden Synthie-Sounds niemanden zur Ruhe kommen lässt. Was dabei fehlt, ist jedoch die Präzision der Gefühle. Das hibbelige „Humbug“ sowie das unruhig nachdenkliche „Hulls“ erzeugen Klanglandschaften, deren Emotionen nie deutlich transportiert werden. Ob nun Hoffnung, Wut, Angst oder Liebe in diesen Liedern mitschwingen ist selten fühlbar. Die Texte helfen, aber die Dissonanz zwischen den kunstvollen Arrangements und den darin enthaltenen Gefühlen bremsen das Album aus.

Wenn selbst das romantisch angehauchte „Lillies“ in aufgeblasenen Klängen erstickt, stoßen die Klanggebilde des Schweden auf gefühllose Gehörgänge. Loney Dear ist ein verspielter Bastler, dem die Form anscheinend wichtiger ist, als das Gefühl. Deswegen funktionieren die eingängigen Stücke, die vermeintlichen Singles noch am besten. „Pun“ und „Little Jacket“ sind Stücke, die sich bewundern lassen und deren Tanzbarkeit etwaige Leere fortspült. Majestätisch einsetzende Bläser wehen alle Zweifel davon, dass die Welt für drei Minuten aus diesen unwirklichen Klängen bestehen darf.

„Loney Dear“ ist ein Album, das in jedem Wohnzimmer seinen Platz haben sollte. Emil Svanängen ist zweifellos ein Virtuose. Dieser Künstler lässt seine Hörer hinter sich und nicht jeder wird ihm auf seinen Pfaden folgen können. Zu kalt und zu berechnend dröhnt ein großteils faszinierendes Album aus den Boxen. Der traurige Nebeneffekt ist die aufkommende Unfähigkeit, Menschsein zu vertonen. Balladen wie „Isn’t It You?“ sind frei von Gefühlen. Als stünde Loney Dear mit einem Mal selbst vor einem unlösbaren Rätsel, findet seine Musik von vertrackten Sounds nicht mehr zurück zur Übermittlung von Emotion durch die eigene Stimme. Der letzte Hoffnungsschimmer bleibt „There Are Several Alberts Here“, das Emotionen überträgt, aber auch zeigt, wie schwer sich Loney Dear tut, zwischen den Grenzen zu wandeln.

Anspieltipps:

  • Pun
  • Little Jacket
  • There Are Several Alberts Here

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