Miley Cyrus - Younger Now - Cover
Große Ansicht

Miley Cyrus Younger Now


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 41 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Zuerst erschreckte Miley die Eltern ihrer jungen Hörer, nun erschreckt sie ihre jungen Hörer mit der Musik ihrer Eltern.

Obwohl Miley Cyrus im November dieses Jahres erst 25 Jahre alt wird, hat sie wie keine Zweite ihrer Generation die Spielchen des Pop-Business durchschaut. Mehr noch als Lady Gaga (31), dafür ähnlich wie Madonna (59) in den 90er Jahren, bedient sie ihr Publikum von Album zu Album mit stetigen stilistischen Häutungen und überzeichnet dabei so extrem mit ihrer Sex-sells-Attitüde, dass selbst Madonna zu ihren heftigsten Provo-Zeiten rot angelaufen wäre. Denn wenn sich Fräulein Cyrus nackig macht, dann richtig und mit der Wucht eines Keulenschlags. Pauschal gut finden muss man das freilich nicht. Schließlich steckt hinter diesem Verhalten eine gute Portion kühler Berechnung. Dennoch möchte sich der Betrachter einreden, dass Miley Ray Cyrus eine gewisse Authentizität einbringt, wenn sie die nächste Aufmerksamkeitsstufe erklimmt.

Vorbei sind die Zeiten als Kinderstar „Hannah Montana“ und zahmer Popalben wie „Breakout“ (09/2008) und „Can’t Be Tamed“ (06/2010). Mit „Bangerz“ (10/2013) zündete sie die erste Ausbaustufe, die andeutete, dass Miley Cyrus entwicklungsfähig ist und selbst das Heft in die Hand nimmt. Zusammen mit den Flaming Lips erfolgte nur zwei Jahre später der künstlerische Befreiungsschlag auf dem rein digital vertriebenen Doppelalbum „Miley Cyrus & Her Dead Petz“ (08/2015). Parallel dazu wurden Mileys Bühnenshows sexuell immer expliziter, gepaart mit unglaublichen Fotoshootings, die fast schon pornografische Ausmaße annahmen.

Seitdem sind weitere zwei Jahre ins Land gegangen und mit dem Album „Younger Now“ steht nun die nächste Metamorphose der 25-Jährigen an. Das verrieten bereits die drei vorab vorgestellten Stücke „Malibu“, „Inspired“ und „Younger now“, die einen optischen Image- und musikalischen Richtungswechsel andeuteten. Dabei geht Miley Cyrus zurück zu ihren Wurzeln, indem sie eine gute Prise Country, Folk und Elvis-Rock’n’Roll in das Songwriting einfließen ließ. Poppig sind die Songs deshalb dennoch. Der Versuch eines Tributs an ihre Geburtsstadt Nashville liegt trotzdem nahe.

Herausgekommen ist ein überwiegend entspannt klingendes Album, auf dem im gut ins Ohr gehenden Titeltrack die Frösche munter quaken und eine Akustikgitarre gezupft wird, während Miley Cyrus ein paar abgegriffene Weisheiten in den Raum wirft: „No one stays the same. You know what goes up must come down. Change is a thing you can count on“. Das soll wohl ein Gefühl von Heimat und Zuhause vermitteln – und vielleicht eine Abkehr von der radikalen Provo-Schiene einläuten. In ein ähnliches Horn bläst das lockere „Malibu“, bei dem wiederum der Gitarreneinsatz auffällt.

Um die Country-Attitüde zu unterstreichen, wurde Mileys Patentante Dolly Parton (71) als Duett-Partnerin für „Rainbowland“ ins Boot geholt. Eine gute Idee, denn der Song entwickelt dadurch tatsächlich echtes Country-Feeling, das auch das nachfolgende „Week without you“ aufweisen kann. Nicht schlecht! Zuerst erschreckte Miley die Eltern ihrer jungen Hörer, nun erschreckt sie ihre jungen Hörer mit der Musik ihrer Eltern. Dazu hat Miley Cyrus zwar nicht die Popmusik aufgegeben, aber durch die Unterfütterung mit den musikalischen Markenzeichen der Country- und Folk-Musik quasi die nächste Stufe der Provokation ausgerufen. Dass diese trotzdem wie ein Hochglanzprodukt wirkt, könnte einigen Nörglern in die Karten spielen, dürfte einer Miley Cyrus aber herzlich egal sein.

Anspieltipps:

  • Malibu
  • Rainbowland
  • Younger now
  • She’s not him
  • Week without you
Neue Kritiken im Genre „Pop“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Miley Cyrus“
comments powered by Disqus