Selig - Kashmir Karma - Cover
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Selig Kashmir Karma


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die zum Quartett geschrumpften Hamburger rocken frisch von der Leber. Und das alles nur wegen einer kleinen Hütte im tiefsten Schweden.

Viereinhalb Jahre nach dem „Magma“-Album (02/2013) und der im Oktober 2014 zum 20-jährigen Band-Jubiläum eingeschobenen Werkschau „Die Besten (1994-2014)“, melden sich Selig mit frischem Studiomaterial zurück. Für den Entstehungsprozess hatte sich die Band von November 2016 bis Juni 2017 (allerdings nicht durchgängig) in ein einsames Haus im schwedischen Niemandsland Bögebacka, Hunnebostrand, zurückgezogen. In fünf Sessions von jeweils zehn Tagen sollte sich herausstellen, ob Selig als Band überhaupt noch eine Zukunft haben und die Chemie zwischen den Freunden noch stimmt.

Scheinbar hatten diese 50 Tage in Schweden eine therapeutische Wirkung auf die vier Musiker, die wieder zueinander fanden und ihren siebten Studio-Longplayer in den Kasten brachten. Dieser hört auf den Titel „Kashmir Karma“, was eine besondere Bewandtnis hat. Denn dies sollte der ursprüngliche Bandname sein, den sich Stephan Eggert (Drums), Leonard Schmidthals (Bass), Christian Neander (Gitarre), Jan Plewka (Gesang) und der im Oktober 2014 ausgestiegene Malte Neumann (Keyboards) geben wollten, bevor am Ende der Name Selig ausgewählt wurde. Damit schließt sich ein Kreis und Selig tauchen in eine neue kreative Phase ein, in der Computer und Keyboards nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

Schon mit dem Opener „Unsterblich“ holen Selig den Hörer mit einem Sound ab, der sie von Beginn an, in den frühen 90er Jahren einzigartig gemacht hat. Heute würde man vermutlich von Retro-Rock sprechen, wobei Selig nie irgendwelche Vorbilder aus den 60er und 70er Jahren stumpf kopiert haben. Hörbare Einflüsse von Jimi Hendrix über The Doors bis hin zu den Beatles waren und sind dennoch vorhanden und firmierten zeitweise unter dem Begriff „Hippie-Metal“. Dabei schaffen es Selig grundsätzlich, ihren Songs eine eigene Note zu verleihen, zu der insbesondere auch der Gesang und die Texte von Jan Plewka entscheidend beitragen.

Mit einem wunderbar analogen und erdig klingenden Sound rumpeln Selig zurück aus der Versenkung und zelebrieren psychedelisch angehauchte Rockmusik mit poppigen Melodien und herrlich kruden Texten, die vielleicht nicht mehr ganz die Strahlkraft der ersten drei Alben besitzen, aber immer noch weit besser sind als das meiste, was lyrisch auf deutscher Sprache verbrochen wird. Auf diese Weise kristallisieren sich arschcoole Blues-Stücke wie „Zu bequem“, atmosphärische Balladen wie „Unterwegs“ und jede Menge kernig arrangierte Rocksongs wie „Lebenselixier“, „Feuer und Wasser“ oder auch „DJ“ heraus.

Damit liefern Selig einen von jeglichem Ballast befreiten Longplayer ab, der frisch von der Leber rockt und Erinnerungen an ihre ersten drei Alben aufkommen lässt. Und das alles nur wegen einer kleinen Hütte im tiefsten Schweden. Manchmal kann alles so leicht sein.

Anspieltipps:

  • DJ
  • Wintertag
  • Unterwegs
  • Unsterblich
  • Lebenselixier
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