Taylor Swift - Reputation - Cover
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Taylor Swift Reputation


  • Label: Big Machine Records
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

The old Taylor can’t come to the phone right now. Why? Oh, 'cause she is dead!

Mit dem „1989“-Album (10/2014), von dem mehr als zehn Millionen Einheiten abgesetzt wurden, den sieben (!) ausgekoppelten Singles sowie der dazugehörigen Welttournee, die mehr als 250 Millionen Dollar einspielte, katapultierte sich Taylor Swift (27) endgültig neben dem männlichen Vertreter Ed Sheeran in den Pop-Olymp und zur König des Genres. Dieser Status soll natürlich verteidigt werden, wenn pünktlich zum Weihnachtsgeschäft das neue Album in die Läden kommt. So wurde schon vor zwei Monaten mit „Look what you made me do“ die erste Single ins Rennen geschickt, die natürlich sämtliche denkbaren Rekorde brach.

Auch in den sozialen Netzwerken wurden seitdem alle Register gezogen, um die Fans so richtig heiß auf „Reputation“, das dazugehörige Merchandise und die kommende Tournee zu machen. Keine Frage: Taylor Swift und ihr Team verstehen das Spiel mit den Medien wie keine Zweiten und stellen damit die omnipräsente Geldmaschine aller Zeiten, auch wenn dazu nicht immer ganz neue Tricks und Spielchen angewendet werden. Muss ja auch nicht. Lieber gut kopiert, als schlecht erfunden. Also wird einfach mal der gesamte Instagram-Account auf null gesetzt und alle Bilder gelöscht und wie aus dem Nichts auf ein neues Image gesetzt.

Auch wenn Taylor Swift in ihren Texten schon immer mit ihren zahlreichen Ex-Lovern abgerechnet hat, war sie das nette blonde Mädchen vom Lande. Damit ist nun Schluss. Die Swift ist nun ein Bad Girl! Sie zeigt die Krallen und trägt nuttige Outfits. Das haben vor ihr zwar schon so viele Pop-Sternchen getan, um zu schocken oder tatsächlich das Persönlichkeitsbild zu wechseln. But who cares? Die Popmusik ist eine große Spielwiese und Taylor Swift stellt die Regeln auf. Und auch wenn „Look what you made me do“ tatsächlich völlig anders klingt, als alles, was die 27-Jährige zuvor produziert hat, ist das kreative Team dahinter ein altvertrautes. Das Ergebnis ist trotzdem ein anderes, als erwartet.

So kümmerten sich mit Jack Antonoff, Max Martin, Shellback, Ali Payami, Oscar Görres und Oscar Holter (u.a. Christina Perri, Sia., Sara Bareilles, Britney Spears, Katy Perry, Maroon 5, The Weeknd, P!nk, Avril Lavigne, Adele, Ariana Grande, Tove Lo, Ellie Goulding, Adam Lambert, Cher Lloyd, Christina Aguilera, Hilary Duff, Carly Rae Jepsen, JoJo) gleich sechs Produzenten um „Reputation“, dem ersten Album nach dem bisher größten kommerziellen Erfolg. Und diese hatten wohl den Auftrag, den Sound von „1989“ auf keinen Fall in eine zweite Umlaufbahn zu schicken und grundsätzlich alles auszulassen, was vorher schon mal auf einem Taylor-Swift-Album da war.

Aus diesem Grund klingt „Reputation“ elektronischer („I did something bad“), kantiger („King of my heart“), expliziter („Don’t blame me“), cooler („Look what you made me do“) und wagemutiger („Dancing with our hands tied“). Und dennoch: Würde dieses Album nicht unter dem Banner einer Taylor Swift erscheinen, hätte es vermutlich erhebliche Probleme, dieselbe Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn radikal eingängige Stücke wie „Gorgeous“ oder auch „Getaway car“ sind auf „Reputation“ die Ausnahme. Das macht die Musik nicht schlechter, aber kommerziell weniger performant.

Damit geht Taylor Swift bis zu einem gewissen Grad ein Risiko, das unnötig erscheint, aber aus künstlerischer Sicht den vermutlich richtigen Schritt darstellt. Sie erfindet sich ein bisschen neu, ohne Gefahr zu laufen, dass der Hörer sie nicht mehr wiedererkennt. Dafür sorgen allein schon ihre herrlich plakativen Texte, bei denen Taylor Swift schon vor ein paar Jahren begonnen hat, sich einzelne Passagen markenrechtlich schützen zu lassen, auch wenn diese nicht gerade „Pulitzer Prize“-verdächtig sind. Doch wer weiß, wozu sich Weisheiten wie „Du weißt, ich bin kein böses Mädchen, aber ich mache böse Sachen mit Dir“ später noch verwenden lassen. Heiß, heißer, Taylor!

Anspieltipps:

  • Gorgeous
  • Getaway car
  • Ready for it?
  • Don’t blame me
  • Look what you made me do
  • This is why we can’t have nice things
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