Niedecken - Reinrassije Strooßekööter: Das Familienalbum - Cover
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Niedecken Reinrassije Strooßekööter: Das Familienalbum


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 66 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Alter Wein in neuen Schläuchen: Wolfgang Niedecken blättert in seinem Familienalbum und verpasst 13 bekannten Songs einen frischen Country- und Folk-Anstrich.

Im vergangenen Jahr wurde das 40-jährige Jubiläum von BAP gefeiert. Dazu wurde den Fans neben einer ausgedehnten Tournee auch jede Menge Füllmaterial für ihre Sammlung angediehen: Bereits im Januar erschien ein neues Studioalbum („Lebenslänglich“), gefolgt von einem Best-Of-Sampler im Mai („Die beliebtesten Lieder“) sowie einem Live-Album im November („Lebenslänglich im Heimathafen“). Da gibt es keine zwei Meinungen: Über die Auswertung von „40 Jahre BAP“ konnte sich zumindest auf kommerzieller Ebene niemand beschweren. Inwieweit dagegen in unserer digitalen Welt überhaupt noch Hit-Sampler notwendig sind, ist eine andere Frage. Die jungen Hörer stellen sich ihre digitalen Mixtapes jedenfalls bevorzugt selber zusammen und verzichten darauf, ihre Behausungen mit Plastikschrott – genannt CDs – zuzumüllen.

Nachdem das BAP-Jubiläum nun endgültig abgeschlossen ist, begibt sich Mastermind Wolfgang Niedecken wieder auf Solopfade und legt mit dem Longplayer „Reinrassije Strooßekööter“ ein sogenanntes Familienalbum vor. Damit ist gemeint, dass sich der Kölner noch einmal ausführlich mit seinem eigenen Liedgut aus den vergangenen vier Jahrzehnten beschäftigt hat und jene Songs herausfilterte, die sich inhaltlich mit seiner Familie befassen. Die festgestellten Stücke wurden aber nicht einfach nur entstaubt. Sie sollten neu eingespielt werden, wozu es den 66-Jährigen, wie schon für das „Zosamme alt“-Werk (09/2013), für die Aufnahmen wieder in die USA zog. 13 alte Songs plus den Titeltrack als Neukomposition hatte Niedecken dazu im Gepäck.

Im Esplanade Studio in New Orleans führte Niedeckens alter Kumpel Julian Dawson (63) als Musiker (Gitarre, Gesang, Mundharmonika) und Produzent Regie, während mit Steuart „Spider“ Smith (Gitarre, Piano, Orgel, Keyboards), Roscoe Beck (Bass) und J.J. Johnson (Drums) – um nur ein paar der beteiligten Musiker zu erwähnen – einige altgediente Szeneveteranen für den richtigen Sound und die passende Atmosphäre sorgten. Beides bewegt sich bei gemütlichem Tempo in ur-amerikanischen Country- und Folk-Gefilden. Wie auch sonst, bei diesem Ensemble?

So führt Niedecken mit leicht kratzender Stimme seine Lieder über den Vater und die Mutter, den großen Bruder, den Opa und die Oma aus. Es sind Geschichten, die nicht nur BAP-Fans hinlänglich kennen, da sie sich zum Beispiel auch in dem (allerdings hier nicht vertretenen) Gassenhauer „Verdamp lang her” wiederfinden, in dem Wolfgang Niedecken ein imaginäres Zwiegespräch mit seinem verstorbenen Vater führt. Auf diese Weise blättert der Kölner Bob Dylan durch ein Bündel Erinnerungen, während die neue Family Affairs Band mit zahlreicher Verstärkung für einen authentischen Sound sorgt.

Während sich Wolfgang Niedecken also auf gewohnte Art und Weise auf Kölsch durch sein Familienalbum knödelt, erklingen heuer dazu u.a. Pedalsteel Gitarre, Trombone, Dobro, Akkordeon, Banjo und Saxophon. Damit geben Niedecken und Band den Songs einen neuen, ungewohnten Anstrich, der vielleicht nicht immer auf Anhieb gefallen will, aber in der Summe zu einem entspannten, gut abgehangenen Alterswerk gereicht.

Anspieltipps:

  • Suwiesu
  • Bahnhofskino
  • Für 'ne Fründ
  • Chippendale Desch
  • Wie schön dat wöhr
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