Weezer - Pacific Daydream - Cover
Große Ansicht

Weezer Pacific Daydream


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 35 Minuten
Artikel teilen:
3/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Bitte nicht stören! Kann das mal jemand leiser machen?

Was sollen wir eigentlich mit einer Band wie Weezer anstellen, die am Anfang ihrer Karriere, Mitte der 90er Jahre, zwei hervorragende Longplayer für die Ewigkeit abgeliefert hat, aber dann irgendwie ins Schlingern kam und nur noch selten besser als der Durchschnitt war. Es scheint, als würde Mastermind Rivers Cuomo (47) mit seinem Genie allzu verschwenderisch umgehen und den guten Ruf seiner Band fahrlässig aufs Spiel setzen. Nicht dass es am Ende von inzwischen einem Dutzend Alben darauf hinausläuft, dass Weezer nur damit in Verbindung gebracht werden, rekordverdächtige vier selbstbetitelte Alben auf den Markt gebracht und die Farbenlehre der Beatles mit dem blauen (1994), dem grünen (2001), dem roten (2008) und dem weißen Album (2016) weitergesponnen zu haben.

Ihr neuestes Werk „Pacific Daydream“ haben Rivers Cuomo (Gesang, Gitarre), Brian Bell (Gitarre), Scott Shriner (Bass) und Patrick Wilson (Drums) vom 47-jährigen Butch Walker (Carly Rae Jepsen, Fall Out Boy, Avril Lavigne, Taylor Swift, P!nk, Katy Perry) produzieren lassen. Eine gute Wahl, denn der Songschreiber und Produzent versteht sich wie kaum ein zweiter darauf, Rock- und Popmusik so miteinander zu verheiraten, dass es Sinn ergibt und Spaß macht. Für Weezer ist dabei wichtig: Bloß nicht die eigene Identität aufgeben!

Doch dieser geheime Wunsch wird dem Hörer leider nicht erfüllt. Butch Walker drehte dem Quartett aus Los Angeles einen seifig-modernen und austauschbaren Pop-Sound an, der hier so fehl am Platz ist, wie Kühlschränke in der Antarktis. Denn was mit „Mexican fender“ und „Beach boys“ (eine Beach-Boys-Hommage, die nicht nur so heißt, sondern auch so klingt) noch einigermaßen okay beginnt, nimmt im Verlauf des Albums eine Abwärtskurve ein, die selbst wohlgesonnenen Hardcore-Anhängern die Tränen in die Augen treibt.

Es ist keine Frage, dass Stücke wie „Weekend woman“ oder auch „Sweet Mary“ nette Melodien besitzen. Doch die Arrangements gleichen der Beschallung einer Butterfahrt für die Generation Ü70. Bitte nicht stören! Kann das mal jemand leiser machen? Auf diese Weise wird auf „Pacific Daydream“ niemand gebissen, respektive mit Rockmusik belästigt. Der gute Rivers will diesmal nur spielen und sich zahnlos zwischen den Beatles und den Beach Boys austoben. 35 Minuten geht der substanzlose Spuk, dann ist Rivers Cuomo mit seinem Songwriter-Latein am Ende und wir um ein weiteres überflüssiges Weezer-Album „reicher“.

Anspieltipps:

  • Sweet Mary
  • Mexican fender
  • Weekend woman
  • Any friend of Diane‘s
Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „Weezer“
comments powered by Disqus