Alois - Mints - Cover
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Alois Mints


  • Label: Red Brick Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Luzerner Alois basteln an ihrem Sound als bauten sie mit Lego. Das Aufbauen macht Spaß, das Spielen damit meist weniger.

Wenn wir von moderner Pop-Musik sprechen, denken wir in der Regel an Soundtüftler wie Alois aus der Schweiz. Das Luzerner Quartett legt möglichst viele Ebenen übereinander, lässt Töne ineinander fließen und setzt auf verträumte Soundscapes. Lieder wie „Flower“ sind diese kleinen Pop-Seifenblasen, die trotz luftig leichtem Inhalt faszinierend schweben und beim richtigen Licht in allen Farben des Regenbogens glänzen. Unscheinbar und fast schon introvertiert ziehen sich die vier Herren so oft sie können in den Hintergrund zurück. Die Zuhörer dürfen die Soundgebilde bestaunen, aber die Menschen dahinter dürfen gerne unbemerkt bleiben. Das wird mit der „Infinite Interlude“ und „Hey Girl“ komplett ohne Gesang bewusst. Alois sind eine eigentümliche Pop-Truppe, die Musik aus Faszination und Liebe betreibt.

Die Kehrseite dieser Liebe ist, dass sich die Hörer eine große Distanz zwischen sich und dieser Musik ausmachen. „Hey Girl“ oder die gefühlte Gorillaz-B-Seite früher Tage „Glacier“ sind Klangexperimente, die scheinbar gar nicht als eigenständige Tracks verstanden werden wollen. Mit weiteren Interluden wie „Addicted Pt. 1“ und seichten Erinnerungen an Sufjan Stevens elektronische Ausflüge fällt mit andauernder Spielzeit immer weiter ins Gewicht, dass Alois’ Sound nicht fesselt. An jeder Ecke lassen sich spannende Details ausmachen, aber wenn das Gesamtwerk nicht fesselt, bleiben die wenigsten da, um nach Details zu forschen. Die wenigen Momente in „Isolator“ und „Interrail“ sind nicht genug. Zu sehr verliert sich „Mints“ in seinem eigenen Klang, der beim Erschaffen bestimmt hypnotisierte, beim Hören allerdings neben viel Technikbegeisterung nur wenig Freude ausstrahlt.

Die große Hürde für Alois sind sie selbst. Ihre Begeisterung für vielschichtige Töne endet nicht immer in interessant anzuhörender Musik. Das Ergebnis ist zu oft ein sehr einfaches Konstrukt, das sich mit unnötig vielen Spielereien schlechter anhören lässt. Die Einfachheit der Pop-Musik und die Vorliebe für Art-Rock seitens der vier Herren findet zu selten effektiv zusammen. Die Konzepte zwischen Kunst und Zugänglichkeit beißen sich bis zum letzten Stück und lassen nur erahnen, was sich aus dem Talent der vier Schweizer kitzeln lässt. Da jeder im Leben eine zweite Chance verdient, ist „Mints“ hoffentlich Teil einer Findungsphase, für im Grunde sehr erfinderische Musiker, die nur noch nicht ihre Nische gefunden haben.

Anspieltipps:

  • Flowers
  • Isolator
  • Interrail

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