Alex Cameron - Forced Witness - Cover
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Alex Cameron Forced Witness


  • Label: Secretly Canadian/CARGO
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwischen Tränen der Trauer und des fassungslosen Lachens. Alex Cameron persifliert die 80er und klingt dabei erschreckend stilecht.

Meint er das ernst? Nein, Alex Cameron spielt eine Rolle, die nah an dem dran ist, was wir perfekte Satire nennen. Nicht, weil jeder Zuhörer den Witz erkennt, sondern aufgrund der Ernsthaftigkeit des Witzes. Alex Cameron gibt den gescheiterten Entertainer, der in den glitzernden 80ern hängen geblieben ist und mit einem überholten Männerbild um sich wirft. Er verwechselt ein Macho-Dasein mit prickelnder Romantik und überhaupt geht ihm alles zu schnell. Die Texte sind teils zum Fremdschämen und doch werden sich einige Hörer dabei erwischen, wie sie mit dem Fuß wippen. Denn die perfekte Kopie der 80er-Pop-Musik ist erschreckend gut gelungen.

In einer anderen Welt und vor weit über 30 Jahren ist „Country Figs“ ein schnulziger Evergreen, der mit seinem Saxophon-Solo Frauenherzen zum Schmelzen bringt und Männern das nötige Selbstbewusstsein verleiht. Wie Alex Cameron einem Mickey-Rourke-Verschnitt der Musik gleich. „Forced Witness“ ist nicht sein „The Wrestler“, aber wie Cameron weiter fleißig bei Vorbildern klaut, ist eine Freude mit merkwürdigem Beigeschmack. Hörer brauchen einen ganz speziellen Humor, um die schleimig schmierigen und teils schwierigen Darstellungen belustigend zu finden. Ein moderner Vergleich ist Bilderbuchs „Magic Life“, das sich wie ein einziger Injoke auf Kosten der Erwartungshaltungen anfühlt. Das ist phasenweise genial, aber an anderen Stellen auch einfach abgrundtief bescheuert.

Gute 40 Minuten testet Cameron die Grenzen des Geschmacks aus und greift während „Studmuffin96“ und „Marlon Brando“ zu wahnwitzigen Plattitüden und wirft mit Stereotypen im Stereosound um sich. Da kommen „Hey, Baby, warum bist du mit dieser Pussy und nicht mit mir zusammen“-Songs heraus, die exklusiv auf Provokation aus sind. Das ist eine Kritik an alten, vermeintlichen Helden, die durchaus ihren Platz hat. Die Frage ist, ob Hörer den Sinn einer kompletten Karriere nachvollziehen oder ob es am Ende nur ein schlechter Scherz ist. Zumindest, das kann Cameron niemand nehmen, ist der Scherz ein unterhaltsamer.

Anspieltipps:

  • Politics Of Love
  • Country Figs
  • Runnin’ Outta Love

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