Farin Urlaub - Berliner Schule - Cover
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Farin Urlaub Berliner Schule


  • Label: Völker Hört Die Tonträger
  • Laufzeit: 98 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
3.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn schon kein neues Ärzte-Album, gibt es wenigstens lang ersehnte Demo-Aufnahmen von Herrn Urlaub.

Seit Jahren schon herrscht Funkstille im Ärzte-Lager und man fragt sich ob die Berliner jemals wieder im Kollektiv zurückkommen. Auch Farin Urlaubs letzte Veröffentlichung mit neuen Songs, „Faszination Weltraum“, liegt mittlerweile schon drei Jahre zurück, im Jahr darauf erschien noch das Live-Album „Danger“. Nun legt er ein von Fans lang ersehntes Zeitdokument vor und veröffentlicht mit „Berliner Schule“ eine Zusammenstellung von Demos, die mit dem charmanten Untertitel „Fragwürdige Heimaufnahmen von 1984 bis 2013“ eingeordnet werden sollen.

Die ersten Songs machen dann auch klar, was Urlaub damit meint. Das düstere „Schatten“ oder „A.U.S.T.R.A.L.I.E.N.“ zeigen beispielsweise wie charmant-naiv die frühen Ärzte-Songs entstanden sind. Über fünf Minuten plätschert ersteres vor sich hin, letzteres zählt Vorurteile, die durch die Erzählungen des damaligen Produzenten entstanden sind auf, ohne wirklich zum Punkt oder finalen Gag zu kommen. Das Cure-lastige „Bernd hat es gemacht“ wiederum hätte bestens zu den anderen Moskito-Songs gepasst, die sich mit Teenager-Problemen beschäftigten. Auch einige Reime zeugen davon, dass es sich hier um Demos handelt. „Das ist dein Leben und du fühlst dich wie ein Hund, warte, bis wir kommen, dann geht es rund“ in „Was wir sind“ oder „will mich einer schneiden, dem fahr ich hinten drauf, mit mir ist nicht zu spaßen und niemand hält mich auf“ aus „Abzweig Leipzig“ zeugen hiervon.

Richtig interessant wird es bei den Songs aus der womöglich besten Ärzte-Phase nach der Reunion in den 90ern. „Uncool“ ist ein Funpunker, der auch laut Eigenaussage in den Liner-Notes zeigt, dass sich Farin Urlaub vor der Wiedervereinigung erstmal wieder vergegenwärtigen musste, wie man Songs auf Deutsch schreibt. Das eine Alptraum-Szenerie beschreibende „Kaum mehr als ein Traum“, das deprimierende „Ich bin allein“, das mit Sitar orientalisch anmutende „Bitte lass mich schlafen“ und das poppige, textlich mit typischem Ärzte-Humor ausgestatte „1000 Jahre tot“ machen allerdings deutlich, dass die Band zu dieser Zeit wahrscheinlich noch zwei Alben mehr hätte veröffentlichen können.

In den Nuller Jahren zeigt sich Urlaub dann von seiner Abwechslungsreichen Seite. Industrial-Rock („Fucking Hell“), Rockabilly („Bestimmt…“) oder Pop der auch Wir sind Helden zugeschrieben werden könnte („Bist du dabei?“), auf „Berliner Schule“ findet man alle Vorlieben von Farin Urlaub. „The Power Of Blöd“, welches Urlaub gerne als außenstehende Single veröffentlicht hätte, liefert Flachwitze en Masse und man kann den Herren B. und Gonzales nur danken, dass es dazu nicht gekommen ist.

Durch die chronologisch angeordnete Songreihenfolge wird die Qualität der Aufnahmen mit der Zeit und damit einhergehend mehr Geld für Aufnahme-Equipment immer besser. In den Liner-Notes gibt sich Farin Urlaub meist sehr kritisch bzw. amüsiert, darüber hinaus gibt es ein schönes Vorwort von Kollege Bela B., dass zumindest Hoffnung auf eine Weiterführung der Band macht. Für Fans ist „Berliner Schule“ natürlich ein Pflichtkauf, wer mit einem regulären Farin Urlaub-Album rechnet wird wahrscheinlich aufschrecken ob der schwankenden Qualität. Genau deshalb hat der Berliner aber auch fast keine Promo für dieses Album gemacht.

Anspieltipps:

  • Bernd hat es gemacht
  • Kaum mehr als ein Traum
  • Ich bin allein
  • 1000 Jahre tot
  • Ich will dich nicht mehr

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