Tarja - From Spirits And Ghosts (Score For A Dark Christmas) - Cover
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Tarja From Spirits And Ghosts (Score For A Dark Christmas)


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
9.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Tarja hörte wohl Katie Melua, während sie an einen Film von Tim Burton mit Hans-Zimmer-Untermalung dachte.

Auszeiten kennt Tarja nicht. Jedes Jahr ist mindestens eine neue Scheibe im Plattenregal. Die gleichbleibend mittelmäßige Qualität war bislang eine Rechtfertigung dafür. Mit dem (Anti-)Weihnachtsalbum „From Spirits And Ghosts“ wagt sich Tarja künstlerisch aufs Glatteis und rutscht leider ordentlich weg. Bei Tarjas Erfolg sind ein paar blaue Flecken zu verschmerzen und wer Tarja den Ansatz ihrer Weihnachtsplatte abnimmt, der findet sogar etwas Vergnügen in einer bombastisch gespenstischen Gothic-Abwandlung beliebter Weihnachtsklassiker. Die Zutaten stimmen, aber inhaltlich stellt Tarja alles unfreiwillig komisch auf den Kopf.

„Das Weihnachten der Einsamen und der Verlorenen“ will Tarja laut eigener Aussage mit ihrem Album für ein düsteres Weihnachtsfest würdigen. Dass das Unterlegen klassischer Weihnachtslieder mit düsteren Fluch-der-Karibik-Bombast-Arrangements nicht zu diesem Effekt führt, wollte ihr wohl niemand sagen. Ja, „Amazing Grace“ klingt bei Tarja gespenstisch, aber der Inhalt der Lieder spiegelt weiter Gottvertrauen und Ehrerbietung gegeüber Weihnachtsbräuchen aus. Der Ton macht hier nur zu Teilen die Musik, die Worte lassen Hörer weiter schwelgen. Nur weil „We Wish You A Merry Christmas“ und „Have Yourself A Merry Little Christmas“ schaurig klingen, geht die Botschaft der Worte nicht verloren.

Schlimmer noch sind die Hymnen, die nicht einmal zu schauern versuchen, sondern nur grandios aus den Boxen hämmern. „O Come, O Come, Emmanuel“ ist eine in der Finsternis glitzernde Weihnachtshymne, die weitaus weniger gespenstisch klingt, als ein gekonntes Chor-Arrangment. Tarjas musikalischer Wahn zu großen Klängen findet selten mit den Botschaften der Texte zusammen, konterkariert sie aber auch nicht passend. Sobald Hörer erkannt haben, welcher Track gecovert wird, ist das Interesse an den Umsetzungen auch schon vorbei. Wenig überraschend ist die Eigenkreation „Together“ der einzige Song, der stimmig wirkt.

Tarja hätte sich ein Beispiel an Katie Melua nehmen sollen, die Traditionelles und Eigenkreationen auf „In Winter“ gekonnt verbindet. Wo Melua mit eigenen Texten und ihrem persönlichen Blickwinkel auf ihre Kultur und die Weihanchtszeit punktet, verliert sich Tarja in grandios scheiternden Stereotypen, die komplett am Ziel vorbeischießen. „From Spirits And Ghosts“ ist ein Album, das weder Freunde noch Argwöhner des Weihnachtsfest gut unterhält. Als One-Trick-Pony hätte ein eingestreutes „Amazing Grace“ mit Geister-Chantey-Stimmung überrascht. So verdient Tarjas neues Album nicht mehr als ein müdes Lächeln und auch Fans dürfen „From Spirits And Ghosts“ getrost auslassen.

Anspieltipps:

  • Together
  • Amazing Grace
  • We Wish You A Merry Christmas

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