Blitzen Trapper - Wild And Reckless - Cover
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Blitzen Trapper Wild And Reckless


  • Label: Lojinx/ALIVE
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Wild And Reckless“ klingt wie eine Bestandsaufnahme der Möglichkeiten nach 17 Jahren Bandgeschichte. Blitzen Trapper sind jetzt bereit für die Tom-Petty-Nachfolge.

Das neue Jahrtausend leitete Eric Earley mit der Gründung einer Band ein. Zunächst nannte er sie noch Garmonbozia, ab 2003 hieß sie dann Blitzen Trapper. Das Quintett aus Portland in Oregon begann als Hobby-Projekt frustrierter Jugendlicher, die in einem experimentellen Ansatz alternativen Rock mit Roots-Music-Bezug verbanden, aber hauptsächlich gemeinsam Spaß haben wollten. Ernsthafter wurde das Vorhaben als Profi-Musiker tätig zu sein um 2007 mit dem dritten Album „Wild Mountain Nation“ vorangetrieben. Als die Band dann 2008 beim ehemaligen Nirvana-Label Sub Pop aus Seattle unterschrieb und das Album „Furr“ herausbrachte, stand die Fähigkeit des Komponisten und Frontmannes Eric Earley, rockige Frische, Pop-Herrlichkeit und Intimität miteinander zu kombinieren, in voller Blüte. Der gesteigerte Wert auf einladende Melodien brachte somit noch konsequentere Songs zutage. Mit „Wild And Reckless“ liegt jetzt das neunte Album vor und offenbart einmal mehr die unterschiedlichen Bezugspunkte, die die Songs inspirieren. Neugierig wurde bei der Erschaffung der Klänge in viele Stil-Schubladen geschaut und die Musik-Geschichte nach verwertbaren Ideen durchforstet. Der natürliche, ausgelassene Spieltrieb kam dabei auch nicht zu kurz.

Schon der Opener „Rebel“ verrät, dass sich die Musiker eindringlich mit dem Output von Bob Dylan, Neil Young, The Byrds und Tom Petty beschäftigt haben. Diese Musik haben sie quasi intravenös einverleibt und so verinnerlicht, dass sie untrennbar mit den eigenen Vorstellungen verbunden ist. Das als Folk-Rock ausgeprägte „Rebel“ folgt staubig und schleifend den Spuren der elektrischen Crosby Stills Nash & Young-Tracks und offenbart zusätzlich die Ausgeglichenheit des lyrischen Eric Andersen. Die begeisternde, aufmunternde Atmosphäre von Bruce Springsteen`s „Born To Run“ hallt beim teils eindringlichen, teils stürmischen Track „Wild And Reckless“ nach und das kurze Zwischenspiel „Forever Pt. 1“ hat sich den sakralen Harmoniegesang der Beach Boys zu Eigen gemacht.

Das spartanisch instrumentierte, akustische „Joanna“ erinnert an die einsam-traurigen Erzählungen eines Townes Van Zandt, während „No Man's Land“ als spaciges Spoken-Word-Stück beginnt und sich plötzlich zum atmosphärisch dichten, locker swingenden Pop-Rocker wandelt. Der geschmeidige Country-Rock von „Stolen Hearts“ klingt wie ein Outtake aus dem ersten Album der Eagles und das impulsive „Dance With Me“ wie ein Nachlass aus dem Frühwerk von Tom Petty, das mit einem Rock-Riff von The Who geschmückt wird. Das geerdete, bodenständige „Love Live On“ kommt nicht ohne Vergleiche mit Elliott Murphy und John Mellencamp aus und „When I'm Dying“ zitiert den funky West-Coast-Rock von Little Feat. Die Gitarren-Arbeit für die zuversichtliche Country-Folk-Ballade „Baby Won't You Turn Me On“ ist von Steve Miller beeinflusst und die anfänglichen Vocoder-Stimmen des uneinheitlich verlaufenden, introvertierten „Forever Pt. 2“ wurden ähnlich schon bei Neil Young`s „Trans“ (1982) angewendet, während „Wind Don't Always Blow“ die Gospel-Rock-Seite von Bob Dylan aufleben lässt.

Ist Eric Earley der neue Tom Petty? Es ist schon frappierend, mit welcher Selbstverständlichkeit hier im Geiste des Heartbreakers-Chefs harmonischer Rock mit Country, Folk und Blues zu Songs geformt wird, die zielstrebig und einnehmend aus der Pop-Geschichte schöpfen, ohne abgedroschen zu klingen. Die Vorlage zu „Wild And Reckles“ bildete ein Rock-Musical von Blitzen Trapper, das sie in ihrem Heimatort auf die Bühne brachten. Sieben Stücke aus dem Programm schafften es auf das Album. Fünf weitere entstanden dann im Studio. Eric Earley stuft das Ergebnis als Begleiter und Erweiterung zu „Furr“ ein und zieht damit Bilanz zwischen damals und heute. Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass die Platte trotz der offensichtlichen Verweise auf Vorbilder als Inspirationsquellen etliche gute Songs zu bieten hat. Und darauf kommt es ja schließlich auch an.

Anspieltipps:

  • Rebel
  • Stolen Hearts
  • When I’m Dying
  • Baby Won’t You Turn Me On
  • Wind Don’t Always Blow

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