U2 - Songs Of Experience - Cover
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U2 Songs Of Experience


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Songs Of Experience“ ist das nächste enttäuschende U2-Werk nach „Songs Of Innocence“.

Nachdem sich die Moralprediger von U2 bei der Veröffentlichung ihres bis dato letzten Studioalbums „Songs Of Innocence“ (10/2014) einen bösen Fauxpas geleistet hatten, indem sie die Songs für ein paar Milliönchen an die Industrie verhökerten, musste die irische Band viel ihres Ansehens einbüßen. Die gewiss nicht am Hungertuch nagenden Musiker erhielten aus der Kasse des Apple-Konzerns eine unbekannte, aber definitiv beträchtliche Garantiezahlung. Im Gegenzug verschenkte Apple das Album an seine mehr als 500 Millionen iTunes-Nutzer. Diese fanden die (im Übrigen gar nicht mal so guten) neuen U2-Songs – ob sie wollten oder nicht – nach dem Motto „friss oder stirb!“ ungefragt auf ihren Smartphones wieder. Schöne, neue Welt? – oder: die Geister, die ich (nicht) rief!

Für Apple und U2 bedeutete die Aktion auf jeden Fall einen Imageschaden. Plötzlich erschienen Bono und Co. käuflich und unglaubwürdig. Der folgenden Live-Auswertung von „Songs Of Innocence“ schadete dies dennoch nicht und U2 zogen erneut um die Welt und füllten die größten Arenen. Mittendrin wurde sogar ein baldiger Nachfolger von „Songs Of Innocence“ angekündigt, der den Namen „Songs Of Experience“ tragen sollte. Doch was bei Superstars „bald“ bedeutet, erleben wir erst jetzt, drei Jahre nach der Veröffentlichung von „Songs Of Innocence“.

„Songs Of Experience“ wurde in New York, Los Angeles und Dublin aufgenommen, von Jacknife Lee (R.E.M., Radiohead, Björk, Kasabian, Eminem, New Order, P!nk) sowie Ryan Tedder (Demi Lovato, Jennifer Lopez, Chris Cornell, James Morrison, Adele, Birdy) produziert und gerade noch pünktlich zum Weihnachtsgeschäft fertiggestellt. Die Band umging dabei den übervollen Veröffentlichungsmonat November und nutzt die langsam einsetzende Release-Flaute im letzten Monat des Jahres. Doch lenken wir den Blick weg von geschäftlichen Dingen und hin zur Musik.

Hier liefern U2 mit „Love is all we have left“ einen wohlklingenden Opener ab, der allerdings nicht ganz zu Ende produziert scheint und über den Charakter eines zu lang geratenen Intros nicht hinwegkommt. Dagegen wirkt „Lights of home“ ausgereifter, wenn auch etwas zahnlos. Erst bei „You’re the best thing about me“ und „Get out of your own way“ erkennen wir so langsam die Markenzeichen des U2-Sounds wieder: Bonos sirenenartiger Gesang, Adam Claytons pumpender Bass, die singende Gitarre von The Edge und das jede Lücke füllende Drumming von Larry Mullen.

Auf diese Weise fangen sich U2 im Vergleich zum schwachen Vorgänger qualitativ auf einem leicht höheren Niveau, jedoch weiterhin ohne Großtaten abzuliefern. Stücke wie „American soul“, „Red flag day“, oder auch „Landlady“ kratzen lediglich an der Genialität früherer Tage. Und das auch nur deshalb, weil wir U2 in diesen Songs deutlicher erkennen. Weite Sprünge macht „Songs Of Experience“ trotzdem nicht. U2 liefern brav ab und sind dabei so spektakulär wie Schnee im Winter. So darf der Hörer noch ein paar gepflegte Langweiler wie „Summer of love“ und „The showman (little more better)“ über sich ergehen lassen, ehe mit „Songs Of Experience“ das nächste enttäuschende Werk nach „Songs Of Innocence“ feststeht.

Anspieltipps:

  • American soul
  • Lights of home
  • 13 (there is a light)
  • You’re the best thing about me
  • The little things that give you away
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