Katie Melua - In Winter (Special Edition) - Cover
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Katie Melua In Winter (Special Edition)


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 106 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
3.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das 2016er Album wurde um eine Live-CD ergänzt. Eine nette Sache, die allerdings für die Käufer der Urversion ein bisschen ärgerlich ist.

Im Oktober des vergangenen Jahres veröffentlichte Katie Melua mit „In Winter“ ihr mittlerweile siebtes Album, das sich passend zur Jahreszeit mit Winter-/Weihnachtscharme im Folklore-Mantel an das Publikum wandte. Der Lohn war – wie immer – eine Top-10-Platzierung in den deutschen Charts und eine Silber-Auszeichnung in Großbritannien. Doch unter Umständen ist hier noch mehr drin. Denn nun wurde „In Winter“ – Meluas erstem Longplayer nach dem ausgelaufenen Deal mit Dramatico Records – noch einmal aufgelegt.

Dazu wurde das ursprüngliche Werk um einen zweiten Silberling ergänzt, der einen Konzertmitschnitt aus dem Berliner Admiralspalast enthält. Hierauf findet der geneigte Hörer noch einmal das komplette „In Winter“-Album im Live-Gewand sowie ein paar zusätzliche Coverversionen und Katie Meluas größte Hits „Closest Thing To Crazy“ und „Nine Million Bicycles“. Eine nette Sache, die allerdings für alle Käufer der Urversion ein bisschen ärgerlich ist, da diese auf den Live-Bonus verzichten müssen. Es sei denn, sie kaufen sich „In Winter“ ein zweites Mal.

Die ursprüngliche Besprechung: Katie Melua ist wieder in ihrem Geburtsland Georgien. Nun ja, nicht für immer und nicht fest. Sie holte sich in Osteuropa jedoch Inspiration für ein neues Album, das nicht Radiohits produzieren sollte. Stattdessen ist Melua darauf aus, Musik zu machen, die sie selbst begeistert. Im Klang des Gori Frauenchors fand die Sängerin ihre Muse. Nun sind klassische Chöre nicht unbedingt für Chartstürmer geeignet. „Sei’s drum“, mag sich Melua gedacht haben und hat das Album kurzerhand co-produziert. Das zeigt eine Menge Eigeninitiative, die im Endeffekt die Sängerin Katie Melua weiter in den Hintergrund drängt, anstatt sich als Star aufzuspielen.

„The Little Swallow“, das im englischsprachigen Bereich als „Carol Of The Bells“ bekannt ist, kommt ursprünglich aus der Ukraine und wird vom Chor im Original vorgetragen. Dabei ist zwei Minuten lang kein Mucks von Katie Melua zu hören. Durch das anschließende Weihnachtslied „River“ und „O Holy Night“ zum Abschluss der Platte kommt schnell das Gefühl einer Weihnachts-CD auf. Das ist suboptimal, weil „In Winter“ keinesfalls auf dieses Gefühl und diese Lieder beschränkt werden darf. „River“ ist lediglich ein Vorgeschmack darauf, was Melua und der Chor zusammen auf die Beine stellen. Die Hauptaufgabe von „River“ ist es, Hörer daran zu erinnern, dass Katie Melua noch nie für klassische Radiohits zuständig war. Desto weniger aufdringliche Töne ihre Musik begleiten, umso besser. Der sphärische und variable Chor gibt den perfekten Hintergrund für Meluas warme Stimme, was sich aber erst später zeigt.

Viele werden über das einzige auf Georgisch vorgetragene Stück „If You Are So Beautiful“ sprechen und wie schön es ist, dass Melua vorm folklorischen Klang nicht Halt macht und ein Stück in den Westen bringt, das wahrlich exotisch klingt. Ohne die einzigartige Natur des Songs zu schmälern, ist der Star des Albums jedoch ein typischer Katie-Melua-Song. „Dreams On Fire“ ist eine minimalistische Ballade zum Niederknien. Auf das Nötigste reduziert, präsentiert sich der Song um Prioritäten und Ideale im Leben nahezu nackt als Gitarrenballade. Wie eine Akustikversion eines glanzvoll produzierten Popsongs schmiegt sich das Stück an Hörerohren, bis der Chor zum Refrain sanft einsetzt und mit sofortiger Wirkung für Gänsehaut sorgt. Mit einfachsten Mitteln schafft der Gori Frauenchor zusammen mit Katie Melua eine zeitlose Folk-Pop-Melodie, die noch in Jahrzehnten so frisch und gefühlvoll wie in diesem Winter klingen wird.

„Dreams On Fire“ ist ein Verkaufsgrund, ein Lied, das jeden bezaubert. Da verkommen das georgische „If You Are So Beautiful“ und Rachmaninoffs „All-Night Vigil - Nunc Dimitis“ zu starken Begleitstücken und hoffen, dass sie nicht untergehen. Die beiden letztgenannten Stücke sind dabei viel mehr stellvertretend für ein Album, das scheinbar krampfhaft versucht, nicht ins Erfolgsraster zu passen. „River“, „If You Are So Beautiful“ und ganz besonders „All-Night Vigil - Nunc Dimittis“ sind gesangliche Herausforderungen für Frau Melua, die alle Aufgaben erwachsen und gefühlvoll meistert. Mit „Perfect World“, „A Time To Buy“ und „Plane Song“ bekommen Hörer auch genug aus der Komfortzone der Sängerin, die sich durchgehend auf ihre Stärken besinnt. Das Highlight dieses Albums ist, dass es nahezu ohne klassische Highlights auskommt. „Dreams On Fire“ reißt bei jedem Hördurchgang auf „In Winter“ aus dem sanften Märchen, das Melua zusammen mit dem Gori Chor spinnt. „In Winter“ ist eines dieser Alben, die allein dafür belohnt werden sollten, dass die Künstlerin darauf ihr eigenes Ding durchzieht.

Anspieltipps:

  • Dreams On Fire
  • All-Night Vigil - Nunc Dimittis
  • Plane Song

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