Franz Ferdinand - Always Ascending - Cover
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Franz Ferdinand Always Ascending


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf „Always Ascending“ singen Franz Ferdinand vom Aufstieg in neue Sphären, während der Hörer dem Abstieg der einstigen Kultband lauscht.

In ihren ersten Videos zu den ersten Auskopplungen zu „Always Ascending“ geben sich Franz Ferdinand als David Bowie-Verschnitt, der für bekannte Kleiderhäuser Werbung macht. Auf diese Art gaukeln Franz Ferdinand ihren Hörer knappe 90 Sekunden vor, dass sie sich jemals entwickeln könnten. Nach einem Arcade Fire-Electro-Pop-Gedächtnis-Auftakt geht alles seinen gewohnten Gang. Alex Kapranos’ sexy gelangweilte Stimme tönt aus den Boxen. Der Sänger haucht, stöhnt und ächzt seine nichtssagenden Zeilen auf bekannte und beliebte Art, während in den Liedern kaum etwas passiert.

Solange bei diesem zweidimensionalen Ansatz Ohrwürmer entstehen, die sich mit „Do You Want To“ und „Take Me Out“ messen, ist alles in Ordnung. Auf „Always Ascending“ suchen Hörer diese Anziehungskraft allerdings vergebens. Nach dem aufgezwungen künstlerischen Titeltrack mit inkonsequentem Intro und plätscherndem Outro versuchen sich Franz Ferdinand an ihren typischen Strukturen. Als hätten sie die letzten zwei Arcade Fire-Alben zu oft gehört, unterlegen sie ihren geradlinigen Brit-Rock-Sound mit Synthesizern, die nichts zur Qualität der Songs beitragen. Blenden Hörer das Piepen im Hintergrund aus, klingen Franz Ferdinand wie immer, nur dass ihnen die großen Melodien abhandengekommen sind.

Mit „Lazy Boy“ beginnt eine halbe Stunde, die sich wie ein Standardtanz problemlos erkennen lässt. Chorus bis zum Erbrechen wiederholen - eins, zwei - Markengesang anwerfen - drei, vier - Gitarrensolo einbauen: fertig ist ein Lied von Franz Ferdinand. Der Funken, der die Band ausmacht, ist überall zu entdecken. Franz Ferdinand sind zu stilsicher, um gänzlich auf die Nase zu fallen. Aber wie blutleer „Paper Cages“ „The Academy Award“und „Lois Lane“ sind, ist bezeichnend für das lauwarme Erlebnis, welches da „Always Ascending“ heißt. „Lois Lane“ ist dabei das perfekte Fallbeispiel, um den Verfall einer einst mitreißenden, wenn auch nicht fehlerfreien Musikgruppe zu beschreiben. Knappe drei Minuten mühen sich Hörer durch Langeweile, um einen Ohrwurm par excellence in den letzten 30 Sekunden zu erleben. Dieses quantitative Verhältnis lässt sich leider problemlos auf die Qualität dieses Albums übertragen.

„Always Ascending“ langweilt sich ab einem bestimmten Zeitpunkt selbst und bombardiert Hörer mit „hey yo!“-Rufen in „Huck And Jim“ und der romantisch gemeinten Ballade „The Academy Award“ mit gähnender Langeweile. Die kleinen Höhepunkte in Form von „Finally“ und „Glimpse Of Love“ sind zu wenig, um dieses Album über den Wassern des Mittelmaßes zu halten. Besonders schmerzhaft ist dies, weil „Finally“ die schwere Disziplin des Mid Tempo-Hits meistert. Doch in „Slow Don’t Kill Me Now“ erinnern Franz Ferdinand daran, dass sie ihre Qualitäten kaum noch einzuschätzen vermögen. Wie im Opener schleppen sie Hörer unnötig lange durch austauschbare Soundscapes, die mit Rauch und Spiegeltricks mehr aus sich zu machen versuchen.

Wer auf Ohren und Herz hört, lässt sich davon nicht blenden. Große Gefühle sind weiterhin nicht das ausgewiesene Franz-Ferdinand-Metier. Die große Sause findet auf „Always Ascending“ ebenfalls nicht statt und so beobachten wir entgegen dem Albumtitel den Abstieg einer Band, die vielleicht selbst nicht weiß, was sie mit ihrer Musik erreichen und ausdrücken möchte.

Anspieltipps:

  • Finally
  • Glimpse Of Love
  • Lazy Boy

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