David Beckingham - Just When The Light - Cover
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David Beckingham Just When The Light


  • Label: David Beckingham
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer sich nicht zwischen den Fleet Foxes und Mumford & Sons entscheiden kann, hört David Beckingham.

Nein, David Beckingham ist nicht der Fußballer. Das Cover und das aufmerksame Lesen des Namens klären Missverständnisse auf. Allerdings ist durchaus möglich, dass der Pop affine David Beckham den Daumen für den Beinahe-Namensvetter hebt. Dem Folk entsprungen und in das zugängliche Pop-Bad eintauchend ist „Just When The Light“ Beckinghams erstes Solowerk abseits seiner Band Hey Ocean! Nach Hiatus und langer Stimmbandentzündung ist Beckinghams musikalischer Selbstfindungstrip endlich fertig. Nochmal anderthalb Jahre später erscheint das Album auch in Deutschland auf CD.

Wie bei vielen Musikern ist das Soloprojekt ein Vorwand, um ein bestimmtes Genre zu erkunden, verschiedene Einflüsse auszuprobieren und vieles ruhiger anzugehen. David Beckingham umgeht das häufige Probelm von Soloalben, die sich in einem Wust an Ideen verlieren und liefert mit „Just When The Light“ ein stimmiges und introvertiertes Album heraus. Die Lieder fließen ineinander, sodass nie der Eindruck entsteht, dass Beckingham einfach nur die Kreativsau raus lassen wollte. Clever platziert er mit „Forest“ gleich zu Beginn einen potenziellen Ohrwurm und verführt auch skeptische Hörer, sich auf seinen sphärischen Folk einzulassen.

Bezeichnenderweise ist Beckinghams stärkster Song „Forest“ jener, der sich etwas von Mumford & Sons löst. Hier bringt der Songwriter Elemente ein, die an Delta Spirit und andere weniger bekannte Bands erinnern. Die mumfordisierung seiner Musik beherrscht Beckingham dagegen im Schlaf. Wenn „Soldier“ und „Sleepless City“ aus den Boxen fließen, dann ist Feuerzeugstimmung angesagt. Bitte recht melancholisch und am Ende singen wir alle gemeinsam mit geschlossenen Augen und fühlen uns geeint. Das ist schön und ein Gefühl, das so manchen Winterabend versüßt.

Auf der Strecke bleiben dafür alle anderen Emotionen. „Just When The Light“ wiegt seine Hörer in den Schlaf mit verträumtem Folk-Pop, den die Fleet Foxes unterschreiben. Wo die Fleet Foxes Hörer fernab typischer Pop-Strukturen auf Wolken wandeln lassen, hält sich David Beckingham an Radio-Pop-Regeln. Dass sein Album trotzdem nie nach Massenware klingt, ist das große Kunstwerk, das „Just When The Light“ die Sporen verdient. Zwar rutschen ein, zwei Songs mit dem gefährlichen Prädikat „nett“ mit auf den Langspieler, aber den entspannten Fluss des Albums stören sie nicht.

Wenn „In Spite Of All The Damage“ sich überraschend mit etwas Soul verabschiedet, enden kurzweilige 37 Minuten auf angenehm melancholische Weise. David Beckingham verliert den Optimismus auf seinem Soloalbum nie aus den Augen und gibt seinen Songs dadurch eine aufmunternde Tiefe. Auch wenn „Just When The Light“ hierzulande früher hätte erscheinen können, passt das Album hervorragend zur kalten Winterzeit und wärmt wie ein Punsch bei Kerzenschein auf angenehmste Weise.

Anspieltipps:

  • Forest
  • Soldier
  • Places

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