Van Morrison - Versatile - Cover
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Van Morrison Versatile


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 69 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Versatile“ ist ein unverschämt glaubwürdiger Jazz-Abstecher für einen Van Morrison, der auch im hohen Alter Arbeitsethos und Vielseitigkeit wie kaum ein anderer Musiker vorlebt.

Sir George Ivan Morrison ist zu lange im Geschäft, um sich überrumpeln zu lassen. Wenn die 72-jährige lebende Musiklegende sich entscheidet, den Jazz für sich zu entdecken, dann richtig. Unvorbereitete Hörer reiben sich die im Dezember kühlen Hörmuscheln, wenn mit „Broken Record“ eine waschechte Jazz-Nummer aus den Boxen tönt. Die Atmosphäre stimmt von den Bläsern bis zu den punktgenauen Percussions. Das zentrale Überraschungsmoment stellt aber Van Morrisons Stimme da, die erfolgreich dem Timbre eines Frank Sinatra nacheifert. Zwar sei im Vornherein erwähnt, dass Van Morrison sich teilweise in Udo Lindenberg-Manier durch Passagen nuschelt, doch das eben auch so charismatisch wie uns Udo. Dass „Broken Record“ eine von sechs Eigenkreationen auf „Versatile“ (engl. für: vielseitig) ist, setzt dem Ersteindruck die Krone auf. Van Morrisons Originale müssen sich nicht vor den großen Standards des Jazz-Genres verstecken und überzeugen durch Liebe zum Detail und zur Stimmung.

Der kritische Hörer, der sich auf Van Morrisons eigene Leistung stürzt, beruhigt sich beim Hören des Albums mit Sicherheit. Lieder wie „I Forgot That Love Existed“ und „Take It Easy Baby“ reihen sich wie „Broken Record“ nahtlos ein und halten das Niveau auf einem sehr gewissenhaften Tribut vor einem kompletten Genre. Ein „A Foggy Day“ oder „I Get A Kick Out Of You“ für eine neue Generation ist nicht dabei, aber das wäre unheimlich. Van Morrison hat der Welt bereits so viel gegeben, dass ein grundsolider Kniefall vor dem Jazz mehr als genug ist. Der Name Van Morrison garantiert auf „Versatile“ hohe Qualität, was Arrangements und Aufnahme angeht. Passend zur besinnlichen Winterzeit ist „Versatile“ mit einem hervorragenden, warmen Klang ausgestattet. Allein Van Morrisons Stimme reißt Hörer ab und an aus der wohligen Stimme, weil zu viel Anstrengung zu hören ist.

Was für die einen Majestätsbeleidigung ist, ist für den Künstler eine auserwählte Herausforderung. Van Morrison nennt die gesangliche Herausforderung des Jazz als einen großen Reiz des „Versatile“-Projekts und zu großen Teilen ist Van Morrison dem neuen Stil mit Bravour beigekommen. Van Morrisons 38. Studioalbum ist eines der erfreulichen Beispiele eines lang gehegten Musikertraums, der auch für Hörer erfreuliche Ergebnisse abwirft. Wer dagegen nur mit dem Kopf schüttelt, sind all jene, die sich vor Veränderungen und neuen Projekten verstecken. Van Morrison geht voran und probiert sich auch im hohen Alter an Neuem. Statt sich davon einschüchtern zu lassen, ist Hörern allerdings viel mehr zu raten sich von Van Morrisons süßem Jazz-Klang beruhigen zu lassen und selber Mut zu fassen.

Anspieltipps:

  • I Forgot That Love Existed
  • A Foggy Day
  • I Get A Kick Out Of You

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