Alien Stadium - Livin´ In Elizabethan Times EP - Cover
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Alien Stadium Livin´ In Elizabethan Times EP


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 29 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Alien Stadium machen Musik, die nicht von dieser Welt ist. Zu überirdischen Leistungen stehen sich Martin Duffy und Steve Mason mit unkonzentrierten Prog-Einschüben, jedoch selbst im Weg.

Martin Duffy und Steve Mason scheinen von der aktuellen Musiklandschaft nicht sehr angetan. Anders ist ihre EP „Livin’ In Elizabethan Times“ nicht zu erklären. Hätten die Gorillaz dieses Jahr nicht ihr verquert altmodisches „Humanz“ veröffentlicht, stünde Alien Stadium allein auf weiter Indie-Flur. Anders als das auf Clubs getrimmte „Humanz“ versuchen Alien Stadium tanzbaren Pop mit der Komplexität von Jeff Lynne’s ELO zu verbinden. Eine hohe Messlatte, die das Duo nie meistert, aber wenigstens streift.

Der erste Eindruck ist für uns Menschen entscheidend. Wenn wir etwas oder jemanden Neues kennenlernen, entscheiden die ersten Momente, ob wir uns weiter damit auseinandersetzen. Die Kunst zu fesseln, verstehen Martin Duffy und Steve Mason. Mit stampfenden und hypnotischen Gitarren locken Alien Stadium ihre Hörer erfolgreich. Das Problem: nach circa zwei Minuten ist diese einfache Formel aufgebraucht und die Lieder bieten nicht mehr. Gleichzeitig weigern die Stücke sich aufzuhören. Unter sechs Minuten geht auf „Livin’ In Elizabethan Times“ nichts. Die Hälfte der eigenen Spieldauer lauschen Hörer, wie Lieder viel zu lange ausklingen, ohne dabei jegliche Spannung aufrechtzuerhalten. Vielleicht soll die Musik des Duos meditativ wirken, aber dafür ist das Pop-Appeal zu bestimmend.

Im Guten wie im Schlechten lässt sich das Endergebnis mit Yello aus schwächeren Tagen vergleichen. Das ist immer noch mehr, als was andere Musiker zustande bringen. Gleichzeitig ist das verschenkte Potenzial der EP nicht zu überhören. Nach vier Titeln, die ewig gleiche Routine abzuspielen, ohne den Hörer damit zu belohnen, ist Sisyphusarbeit für Hörer und die Band gleichermaßen. Das lange Auslaufen der Nummern deutet auf eine konsequente Fortsetzung oder die Nutzung der Motive hin, was allerdings nie geschieht. Hörer wissen nicht, warum sie dem Ausklang folgen sollten. Die Musiker verschenken Zeit und Energie in Teile ihrer Musik, die kein Ziel kennen.

Die zweite Hälfte der EP ist mit „The Moon Is Not Your Friend“ und „Titanic Dance“ durch längere Laufzeit noch schwerer getroffen. Dass im Hintergrund eine Geschichte um scheinbar freundliche Aliens spielt, die natürlich doch böse sind und das Album in einer schottischen Nonsensversion von Planet der Affen endet, ist eine witzige Idee, die allerdings nur beim ersten Zuhören für milde Unterhaltung sorgt. Alien Stadium erweitern deshalb hübsche Pop-Songs der alten Schule ohne Not um progressive Einschübe, die keine erkennbare Stimmung steigern. Wie ein Film, der sich verzweifelt auf seine Effekte konzentriert, obwohl die Story das Kernstück darstellt, ist diese EP ein Projekt auf Abwegen, das sich nicht versteht und sich von anderen nicht verstehen lässt. Das Ergebnis lässt trotz tollen Momenten kalt. Von knapp 29 Minuten erinnern sich Hörer guten Gewissens vielleicht an 10 bis 15. Das hätte für drei, vier Titel gereicht und wahrscheinlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Anspieltipps:

  • This One’s For The Humans
  • The Visitations
  • The Moon Is Not Your Friend

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