Eminem - Revival - Cover
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Eminem Revival


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 78 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Kurz vor Jahresfrist „beglückt“ Eminem die Hörer mit dem bis dato schwächsten Album seiner Karriere.

Der 15. Dezember ist in diesem Jahr der letzte Tag, an dem die großen Plattenfirmen relevante Neuerscheinungen auf den Markt bringen. Traditionell sind in dieser letzten Rutsche immer auch noch ein paar bemerkenswerte Themen aus dem US-HipHop/Rap-Sektor enthalten, wobei in diesem Jahr mit Namen wie G-Eazy, N.E.R.D. und allen voran Eminem ein paar echte Genre-Brocken dabei sind. So veröffentlicht Slim Shady mit „Revival“ quasi auf den letzten Drücker den Nachfolger seines „The Marshall Mathers LP 2“-Albums aus dem Jahr 2013, den er zusammen mit Dr. Dre und Produzenten-Wunderheiler Rick Rubin aufgenommen hat.

Rick Rubin gründete zusammen mit Russell Simmons im Jahr 1984 das Label Def Jam Records, das mit Künstlern wie den Beastie Boys, LL Cool J, Public Enemy und der Thrash-Metal-Band Slayer schnell Kultstatus erreichte. Später machte sich Rick Rubin einen Namen als Allround-Produzent, der Künstler der unterschiedlichsten Genres wie zum Beispiel Tom Petty, Metallica, ZZ Top, Johnny Cash, The Cult und die Red Hot Chili Peppers mit scheinbar einfachen Mitteln auf den Weg der Tugend zurückführte. Dies gilt nun also auch für Eminem (45), der sich Rubin nach „The Marshall Mathers LP 2“ ein weiteres Mal ins Studio holte, wo er über ein Jahr an den neuen Songs arbeitete, für die er sich zahlreiche hochkarätige Gäste ins Boot holte, die zwar nicht in das übliche HipHop-Raster fallen, dafür aus kommerzieller Sicht echte Volltreffer sind.

Mit der Rockband X Ambassadors, Ed Sheeran, P!nk, Beyoncé, Alicia Keys und Skylar Grey versammelt der Detroiter echte Star-Power auf „Revival“ – und vergurkt den Album-Auftakt dennoch kläglich, indem er die Ballade „Walk on water“ im Duett mit Beyoncé an den Anfang stellt, wo der belanglose Track völlig untergeht. Denn weder Eminems Raps noch Beyoncés Pathos-Stimme können den Hörer zwischen Streichern und Pianoklängen berühren. Danach begibt sich Eminem mit Tracks wie „Believe“, „Chloraseptic“ und „Untouchable“ in seine gewohnt kranke und böse Welt und spart dabei nicht mit „expliziter Lyrik“. Nur: Überzeugen kann er auch hier nicht.

Also muss es Hit-Wunderkind Ed Sheeran richten. Er wirft seine Kunst im von Emile Haynie produziert „River“ in die Waagschale. Sheeran beteiligte sich am Songwriting, singt und spielt Akustikgitarre. Doch auch dieses Ergebnis ist enttäuschend und mehrt den Eindruck, das bis dato schwächste Eminem-Album zu hören, denn, um es vorweg zu nehmen, die Kurve bekommt „Revival“ leider auch in der zweiten Albumhälfte nicht. Marshall Mathers Texte sind meist nur Seifenblasen und kompositorisch bleiben die 17 Songs ebenfalls erschreckend blass. So müssen tatsächlich abgestandene Samples von Joan Jetts „I love rock´n´roll“ („Remind me“) sowie „Zombie“ von den Cranberries („In your head“) herhalten, um die Kohlen aus dem Feuer zu holen.

Weitere Samples stammen zudem u.a. von Run DMC, Masta Ace, Erick Sermon, Regina Spektor, Charles Bradley und den Beastie Boys. Geholfen haben sie nicht viel. Denn am Ende ist „Revival“ ein erschreckend zahnloses Werk geworden, das einen handzahmen Eminem präsentiert, der seinen aggressiven Rap-Style fast vollständig eingebüßt hat und nur selten an frühere Großtaten erinnert. Schade drum.

Anspieltipps:

  • Arose
  • Like home
  • Remind me
  • Nowhere fast
  • Tragic endings
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