Van William - Countries - Cover
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Van William Countries


  • Label: Concord/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Frei nach James Bond lautet die entscheidende Kritik an Van William: ein Song ist nicht genug.

Van William ist ein Name, der wie für eine große Karriere gemacht ist. Das Van klingt nach Adel oder zumindest nach Van Morrison. Mit William hat Van sich dazu den Vornamen des weltgrößten Poeten als Nachnamen verliehen. Eigentlich ziert ein osteuropäischer Name Vans Familienstammbaum, doch wir sprechen auch von Michael Caine und nicht von Maurice Micklewhite. Ähnlich flüssig präsentiert sich Williams optimistischer Gitarren-Pop mit angedeuteter Singer/Songwriter-Nachdenklichkeit.

Inmitten vieler Liebeslieder bietet Van William nicht viel, um weniger naive Romantiker hinterm Ofen hervorzulocken, wäre da nicht der Opener „Before I Found You“. Mit „Before I Found You“ liefert Van William diese eine Melodie, die jeder in sich trägt. Jeder musikalisch begeisterte Mensch produziert zumindest unbewusst eine Musikabfolge, die mitreißt. Van William gehört zu den glücklichen Individuen, die diesen Einfall festhalten. Das Eröffnungsstück ist nah an den perfekten drei Minuten und unterhält jedes Mal wieder von vorn bis hinten. Die Vorab-Single „Revolution“ verblasst dagegen als liebliches, aber harmloses Duett.

Da William seinen Fokus auf einen aufmunternden Ton legt und sich von intimen Schmerzen und gewagten Beobachtungen fernhält, plätschert das Album ohne große Melodien. Das an den Opener anschließende Trio ist gefällig und lädt zum Schunkeln ein, aber echte Gefühle bleiben aus. „Before I Found You“ lässt die Hörer auch ohne Ozeantiefe Euphorie verspüren. Diese frischen Brise verwandelt sich in ein laues, wenngleich angenehmes Lüftchen. Spätestens mit „Don’t Take My Love“ scheint die Luft endgültig entwichen, wenn „Never Had Enough Of You“ doch noch nicht mehr erwartete Qualitäten offenbart. Mit schmachtender Gitarre, Streichern und authentischem Pathos mimt Van William die Größen der Brit-Rock-Zeit.

Ähnlich wie mit der Eröffnung erwischen Hörer den Liedermacher dabei, dass er diese erfolgreiche Formel vergeblich zu wiederholen versucht. „Skyward“ und „You’ll Be On My Mind“ sind keine Ausfälle. Sie holen sich nur das brave Prädikat „nett“ ab. „Countries“ ist ein mittelmäßiges Album mit ein paar Ausreißern nach oben. Das Gute ist, dass Van William ein Grundniveau garantiert. Ausfälle sind nicht vorhanden, sodass das Album zumindest ordentlich unterhält. Optimisten dürfen die zwei Höhepunkte als Hoffnung für die Zukunft ansehen, aber Realisten hören, wie sehr Van William auf seinen Stil eingeschossen zu sein scheint. Aber hoffen ist bis zuletzt erlaubt und Realisten freuen sich umso mehr über eine Überraschung.

Anspieltipps:

  • Before I Found You
  • Never Had Enough Of You
  • Revolution

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