Rhye - Blood - Cover
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Rhye Blood


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Simply Red aus besten Tagen dürfen vor Neid erblassen, wie gekonnt Rhye den Schmuse-Pop neu aufblühen lassen.

Achtung, der Phrasendrescher ist auf freiem Fuß und hinter der neuen Rhye-Scheibe her! Unter Hochdruck suchen Schreiber nach Umschreibungen für das Nachfolgealbum zu „Woman“ (03/2013). Das Gute Ding brauchte seine Weile und das Ergebnis ist fraglos aus einem Guss. Diese Phrasen klingen abgedroschen und passen doch wie keine andere Beschreibung auf das kleine Meisterwerk namens „Blood“. Selten brennen Musiker ihre kreative Vorstellung derart konsequent in ihre Songs ein. Stilistisch auf einer Wellenlänge und mit jedem Mal aufs Neue bezaubernd präsentieren Rhye mit „Blood“ ein rundes Pop-Meisterwerk.

Die lange Zeit seit dem letzten Rhye-Album hat dem Duo sichtlich gut getan. Mastermind Michael Milosh nahm die „Woman“-Erfahrungen der Live-Auftritte, um einen neuen Ansatz für das Musikprojekt zu finden. Die Unterhaltung steht auf „Blood“ im Fokus, ohne dass Rhye auf die auszeichnende und ausgezeichnete Zerbrechlichkeit verzichtet. Das Ergebnis sind erstaunlich viele Singles, die sich fast schon heimtückisch im Kopf festsetzen. Die hochgelobte Single „Count To Five“ mit Trip-Hop-Feeling muss sich ins Zeug legen, um auf „Blood“ herauszustechen, denn Rhye servieren auf dem Album vier Lieder davor, die allesamt zum Drücken der Repeat-Taste einladen. Von gefühlvollen Schmachthymnen („Waste“ und Please“), dem treibend verführerischen „Taste“ und dem träumerischen „Feel Your Weight“ sind Hörer nach dem ersten Drittel mehr als verwöhnt.

Selbst wenn die Lieder nicht Meisterwerke auf Anhieb sind, ist der Sound auf „Blood“ eine Qualitätsgarantie. Das unauffällige „Song For You“ und das schleppende „Blood Knows“ sind nicht ganz auf dem Niveau des zugegebenermaßen unglaublichen Auftakts. Trotzdem lecken sich andere Bands die Finger nach solch einer Stilsicherheit. Kritik am Mittelteil dieses Langspielers ist Meckern auf höchstem Niveau. Hörer schwelgen in „Stay Safe“ und bekommen mit „Pheonix“ noch einen Single-Anwärter, der wie „Feel Your Weight“ eine Spur der Disko auf „Random Access Memories“ erahnen lässt, ohne die eigenen Stilgefilde zu verraten.

„Blood“ gleicht einer Wohlfühloase und ist mit den gehauchten Stimmen in mancherlei Hinsicht ein ASMR-Erlebnis. Entspannung, die nie ihre Spannung verliert, ist die Zauberformel auf diesem Album und das Ergebnis ist nah dran an der Perfektion. In „Softly“ fühlen sich Hörer der Musik so nah, dass sie glauben sie anfassen zu können, um dann wie im Closer „Sinful“ intime Pop-Explosionen aus der Ferne zu betrachten und sich zu wünschen, näher sein zu Können. „Blood“ drückt Verletzlichkeit und Verlangen eng umschlungen zur Schau und verdient sich allein dafür einen außerordentlichen Platz in jeder Plattensammlung.

Anspieltipps:

  • Taste
  • Softly
  • Waste

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