Niklas Paschburg - Oceanic - Cover
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Niklas Paschburg Oceanic


  • Label: 7K!/INDIGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Niklas Paschburg gelingt ein Debütalbum, das buchstäblich ohne Worte allein mit Piano und Ambient-Sound elektrisiert und die Vorstellungskraft anheizt.

Ein junger Mann mit feuerrotem Haar auf dem Kopf und im Gesicht scheint zu verschwinden, wenn er am Klavier gefühlvoll und weich seine Finger auf Tasten legt, um Melodien zu erzeugen. Gemeinsam mit synthetischen Klangsphären nimmt uns Niklas Paschburg mit in die Weiten und Welten, die sich in seiner Musik erahnen lassen. Meeresrauschen, verzerrtes Hallen wie aus einem Tunnel der Zeit und Vergangenheit und unruhig aufbegehrende Signaltöne versetzen auch Hörer in Stimmung, die mit instrumentaler Musik weniger anzufangen vermögen. Niklas Paschburg liefert einen Soundtrack für Sternensysteme, die geboren werden oder sich nach langen Äonen zur Ruhe begeben. Ein klein wenig Fantasie und Größenwahnsinn vom Hörer sind gefragt, doch die Steilvorlagen auf „Oceanic“ beflügeln die Vorstellungskraft immens.

Der Hamburger vermittelt seiner norddeutschen Herkunft entsprechend Lieder, die immer eine gewisse Kälte und Distanz ausstrahlen, die die zarten Melodien kanalisieren. In „Journey Among Worlds“ beispielsweise deuten sich intime Sehnsüchte an, die durch die langen, entfernt erscheinenden Ambient-Klänge eine fühlbare Entfernung zwischen zwei Punkten herstellen. Wie durch ein Fernglas erscheint das Klavierspiel in einem Moment greifbar nah, um durch ein paar effektive Kniffe mit einem Mal weit weg zu wirken. Das ist keine Weltneuheit, steht allerdings für große Produktionskunst. Niklas Paschburg weiß auf „Oceanic“ Klänge in räumlich und greifbar erscheinen zu lassen.

Bis zu „Fragmentation“ und „Abeyance“, die sich zu sehr auf die Atmosphäre verlassen, lässt Paschburg Hörer erfolgreich zwischen Traum und Wirklichkeit interpretieren. „Oceanic“ lädt zum Abschalten und vergessen ein. Auch wenn ein „Spark“ für viele perfekt zu einer inspirierenden Filmszene, Werbung oder Rede passt, ist die Musik auf „Oceanic“ am stärksten, wenn sie die volle Aufmerksamkeit erhält. Aus klaren Boxen und guten Kopfhörern klingend entfalten die klar gezeichneten Tongemälde ihre volle Kraft bei voller Aufmerksamkeit. Hörer starren die Klanglandschaften geradezu an und hören in jedem Ton neue Pinselstriche, die das gesehene verändern.

Die unruhige, zweite Hälfte des Albums wirkt dabei eher zerfahrener als mutiger. Dennoch zeigt Paschburg, dass er im Titeltrack“ und den folgenden Stücken auch Unruhe und vielleicht sogar Bedrohung darzustellen vermag. Das ist unbequemer, verspricht aber ebenfalls hochwertiges Kopfkino. „Oceanic“ lässt eine klare Vision erkennen, die Niklas Paschburg im Audioformat eingefangen hat. Zwischen Kammerspiel und Oper präsentiert der Musiker seine Musik von nah und fern, opulent und minimalistisch. „Oceanic“ ist ein Album frei von Berechnung davon, was der Markt will, sondern gibt seinen Hörern einen reinen Einblick in das musikalische Seelenleben eines Mannes, der auf Anhieb fasziniert.

Anspieltipps:

  • Spark
  • Journey Among Worlds
  • Appear

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