Judas Priest - Firepower - Cover
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Judas Priest Firepower


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 58 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
9.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Judas Priest liefern auf ihre alten Tage noch einmal so richtig ab.

Eigentlich sollte die Veröffentlichung des neuen Judas-Priest-Albums „Firepower“ gefeiert werden. Allerdings wird die Freude darüber durch die Ankündigung von Gitarrist Glenn Tiptons, dass er an Parkinson erkrankt ist und er aufgrund dessen nicht mehr mit seiner Band touren könne, jäh getrübt. Produzent Andy Sneap, der „Firepower“ in Kooperation mit dem langjährigen Stammproduzenten Tom Allom betreute, soll nun anstelle vom Gründungsmitglied Glenn Tipton in die Saiten greifen, wodurch das frühere Gitarrengespann Downing/Tipton nun komplett von der Bühne gefegt wurde. Der zweite Axtmann, K.K. Downing, hat sich schon vor einigen Jahren zurückgezogen, für ihn stieß Richie Faulkner dazu, der die Band auf dem Vorgänger „Redeemer Of Souls“ einer Frischzellenkur unterzog.

Die schon erwähnte Doppelbesetzung des Produzentenstuhls macht sich in puncto Sound auf jeden Fall bezahlt. Konnte der Hörer im Vorfeld etwas Angst haben, dass Andy Sneap seine üblichen Tricks, wie getriggerte Drums, gesamplete Sounds und ähnliches miteinbringt, laufen Judas Priest nicht Gefahr, sich einem Einheitssound zu unterwerfen. Die Kombination aus Andy Sneap, der moderne Sounds und Aufnahmetechniken mitbringt und Tom Allom, der wohl am bestens weiß, wie Priest zu klingen haben, stellt sich als Gewinn heraus. Modern und trotzdem in einer Reihe mit den Klassikern, so tönt das ganze Album. Dies macht schon der eröffnende Titelsong deutlich, ein klassischer Priest-Track, der zwischen „Ram It Down“ (1988) und „Painkiller“ (1990) angesiedelt ist und bei dem Rob Halford zeigt, dass er in seiner normalen, mittleren Tonlage bestens bei Stimme ist.

„Evil Never Dies“ ist ein Midtempo-Brecher, der harte Double-Bass-Salven, klassische Priest-Riffs und eingängige Momente vereint, „Never The Heroes“ verbindet ruhigere, düstere Momente mit einem hymnischen Refrain. „Children Of The Sun“ orientiert sich an den Genrekollegen von Black Sabbath ohne epigonenhaft zu wirken, „Flame Thrower“ groovt sich mit lässigem und unerwartetem Riffing Richtung Hit und „Spectre“ kommt wie eine Mischung aus Alice Cooper und Megadeth daher. Das knackige „No Surrender“ oder das teilweise doomige „Lone Wolf“ zeugen, von Spielfreude und wie abwechslungsreich Heavy Metal im Judas-Priest-Kosmos sein kann.

Sieht man von dem etwas unspektakulären und unscheinbaren „Lightning Strike“ einmal ab, finden sich auf „Firepower“ keine wirklichen Füller. Vielmehr zeigt das Werk eine Band, die sich ihrer Vergangenheit mehr als bewusst ist, aber gerade deshalb auch selbstbewusst damit umgeht. Zwar war auch der Vorgänger „Redeemer Of Souls“ alles andere als schlecht, aber auf „Firepower“ schaffen es Judas Priest noch einmal, alle ihre Stärken zu bündeln und vielleicht auch für die eine oder andere Überraschung zu sorgen. Sollte dies tatsächlich der letzte Longplayer der Band sein, ist er ein respektables Vermächtnis.

Anspieltipps:

  • Never The Heroes
  • Children Of The Sun
  • Flame Thrower
  • Spectre
  • No Surrender

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