And The Golden Choir - Breaking With Habits - Cover
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And The Golden Choir Breaking With Habits


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
8.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „The Rain“ setzt Tobias Siebert mit And The Golden Choir die Messlatte für Pop-Musik made in Germany 2018.

Gut, dass Tobias Siebert weiter seiner Nase folgt. Statt dem Erfolgsrezept von „Another Half Life“ zu folgen, macht Siebert als And The Golden Choir weiter die Musik, die ihm in den Sinn kommt. Der Kammermusikklang, der auf dem Projektdebüt noch vorherrschte, ist einem klareren Pop-Sound gewichen. „Breaking With Habits“ dreht die Regler hoch und ergötzt sich am konsequenten Auskosten diverser Genre-Einflüsse.

Der Opener schillert im orientalischen World-Music-Gewand, während das verwirrt wabernde „My Lies“ im Stile von „The Eraser“ für Schwindelgefühle sorgt, die durch einen weichen Chorus abgefangen werden. Bei aller Ideenvielfalt, die den Orient, Afrika und digitale Weiten abklappert, ist „Breaking With Habits“ in erster Linie ein Pop-Album, das im Ohr zu bleiben versucht. Mit „Clocks“ zeigt sich diese Absicht auch Skeptikern, die auf Avantgarde pochen. Statt voran preschendem Anderssein scheint Siebert viel eher vermitteln zu wollen, dass jede Kultur und jedes Gerüst sich an den Popkörper schmiegen lässt. Hörer, die den Liedern ihre Kleidung aus analogen und digitalen Instrumenten langsam und bedächtig ausziehen, entdecken die nackte Pop-Kunst, die sich in ihrer wunderschönen Einfachheit allen Gegebenheiten anpasst.

Dass ausgerechnet das elektronisch getriebene „Air Fire Water“ den schwächsten Track des Albums stellt, ist gefundenes Fressen für Anolog-Puristen. Die Wahrheit ist aber, dass nicht jedes Lied auf „Breaking With Habits“ ein Meisterwerk ist. „The Queen Of Snow“ ist eine gute Fingerübung, die nicht wie seine Vorgänger zu faszinieren weiß, und gesellt sich zu „How To Conquer A Land“ als angenehmes Mittelmaß. Außerdem zeigt sich „The Distressed Jeans“ als gelungener Electro-Pop-Ausflug und beweist, dass And The Golden Choir Pop in jeder Form gut bis sehr gut darstellt.

Wenn allein ein Lied darüber entscheiden darf, ob das neue Album ein Schritt nach vorne ist, ist „The Rain“ die einzig richtige Wahl. Mit einer beneidenswerten Leichtigkeit spinnt Tobias Siebert einen Pop-Song, den Hörer der deutschen Musiklandschaft gar nicht zutrauen. Traumhaft inszeniert und produziert schweben die Melodien in „The Rain“ aus den Boxen. Dazu gesellen sich die Pop-Oper „Into The Ocean“, die betörend weiche Interlude „Joker“ und mehr Radiohead-Anleihen in „The Garden“. Ob nun Delbo, Klez.E. oder And The Golden Choir: Hauptsache ist, Tobias Siebert macht weiterhin Musik.

Anspieltipps:

  • The Rain
  • Clocks
  • Into The Ocean

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