The Doors - Live At The Isle Of Wight Festival 1970 - Cover
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The Doors Live At The Isle Of Wight Festival 1970


  • Label: Eagle Records
  • Laufzeit: 149 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Dionysos in Ketten - oder: Immer wieder erstaunlich, wie selbst 46 Jahre nach dem Tod Jim Morrisons stetig „neues“ Material von den Doors den Weg in die Läden findet.

Die Geschichte der kalifornischen Band The Doors ist zwar nur eine relativ kurze, aber auch eine der intensivsten in der Geschichte der Rockmusik. Sie muss deshalb an dieser Stelle gewiss nicht neu erzählt werden, auch wenn die musikalischen Entdeckungen in den Archiven der Band bis heute nicht abgerissen sind und gerade rund um den 50. Geburtstag der Doors im vergangenen Jahr wieder zahlreiche Ausgrabungen gemacht wurden. Ein Ende ist dennoch nicht in Sicht, wie die neueste Veröffentlichung aus dem Hause Eagle Rock zeigt.

Mit dem Konzertfilm „Live At The Isle Of Wight Festival 1970“, der auf Blu-ray und DVD jeweils mit CD-Dreingabe erscheint, wird einer der letzten Live-Auftritte von Jim Morrison in kompletter Länge und digital aufgefrischt zugänglich gemacht. Die Band spielte am 30. August 1970 um zwei Uhr morgens mit ihrem fünften Studioalbum „Morrison Hotel“ (02/1970) im Gepäck auf dem legendären britischen Insel-Festival, zu dem u.a. auch The Who, Jimi Hendrix und Miles Davis geladen waren. Zuvor hatten The Doors mit „Absolutely Live“ (07/1970) ihr erstes Live-Werk veröffentlicht, das ein von Produzent Paul A. Rothchild zusammengefrickeltes Puzzle der besten Performances der 1970er Tour darstellte.

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„Live At The Isle Of Wight Festival 1970“ ist dagegen ein ungeschönter Live-Mitschnitt, der von dem langjährigen The-Doors-Co-Produzenten Bruce Botnick (73) aufgemöbelt wurde und die gespielten Songs erstmals in kompletter Länge präsentiert. Auffällig ist dabei, dass sich The Doors in ihrer Setlist nicht auf den aktuellen Studio-Longplayer konzentrierten, sondern mit vier Tracks – „Back door man“, „Break on through (to the other side)“, „Light my fire“, „The end“ – ihr 1967er Debüt ins Zentrum stellten. Von „Morrison Hotel“ wurden lediglich „Roadhouse blues“ und „Ship of fools“ dargeboten.

Der letzte jemals gefilmte Gig der Doors kommt wahlweise in 5.1 Dolby Digital Sound, DTS Surround Sound, DTS-HD Master Audio 96K oder einfachem Stereo daher und zeigt einen gesanglich erstaunlich frischen Jim Morrison, der die mehr als 600.000 Festival-Besucher mit einer bedachten Performance überraschte. Dazu sagte Ray Manzarek später einmal: „Wir spielten mit kontrolliertem Zorn und Jim war gesanglich gut in Form. Er sang um sein Leben, bewegte sich aber kaum. Dionysos war in Ketten gelegt”.

Grundsätzlich lässt sich diesem Mitschnitt an einigen Stellen anhören, dass die Herren Morrison, Manzarek, Krieger und Densmore um einen seriösen Auftritt bemüht waren, nachdem Jim Morrison in der Vergangenheit für einige Skandale sorgte und The Doors dadurch live als unberechenbar galten. Das diese Selbstdisziplin nicht lange bei Jim Morrison anhielt, ist von den wenigen folgenden Konzerten bekannt, die angeblich noch irgendwo in fremden Archiven schlummern. Fans dürfen also weiterhin auf Live-Schätze der Doors gespannt sein, die mit einem ihrer besten Alben, „L.A. Woman“ (04/1971), leider nicht mehr auf Tour gegangen sind. Denn am 3. Juli 1971 wurde Jim Morrison tot in der Badewanne eines Apartments in der Rue Beautreillis, gelegen zwischen der U-Bahn-Haltestelle Saint-Paul und dem Verkehrsknotenpunkt Place de la Bastille, aufgefunden. When the music´s over turn out the lights…

Anspieltipps:

  • The end
  • Back door man
  • Roadhouse blues
  • When the music’s over
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