Sam Vance-Law - Homotopia - Cover
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Sam Vance-Law Homotopia


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 35 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn Kate Nash und Sufjan Stevens ein inhaltlich von Mika inspiriertes Album aufnehmen, kommt anscheinend Sam Vance-Laws „Homotopia“ heraus.

„Homotopia“ von Sam Vance-Law ist ein Album, das alle Zutaten für Großtaten mit sich bringt. Vance-Law verfügt über eine volle, angenehme Stimme und bewegt sich zwischen trotziger Punk-Attitüde und zerbrechlicher Pop-Euphorie. Sam Vance-Law wechselt die Tonart willkürlich wie Kate Nash zu Beginn ihrer Karriere und klingt dann wieder entschuldigend introvertiert wie Sufjan Stevens. Dazu paart Vance-Law seine Musik noch mit der Kunst von Norbert Bisky, dessen Bild der Musiker als Cover verwenden durfte. All diese fantastischen Referenzen helfen aber nur, wenn der Musiker diese Eigenschaften passend zusammenfügt.

Im Stile von „Foundations“ beginnt „Homotopia“ mit einer niedlichen Piano-Ballade, die sich um zitternde Streicher und hauchende Back Vocals erweitern lässt. Ganz bedacht und schüchtern öffnet sich das Album mit seinen Themen rund um Homosexualität. Mit langsamem Breitband Pop-Rock in „Let’s Get Married“ und vielschichtigem Rock in „Prettyboy“ schüttelt das Album die Scheu hörbar ab und zeigt sich als interessante Alternative zu den Hochglanzproduktionen von Mika. Die Kammermusikoper „Stat. Rap“ ist eine beeindruckende Nummer, die besonders Sufjan Stevens-Fans begeistert und „Isle Of Man“ (gesprochen: „I love Men“) bringt genau die Form von Wortspielen und Codierungen, die Mika in seinen besten Momenten ausmachen.

Nach 35 Minuten sind „Prettyboy“, „Stat. Rap.“ und „Isle Of Man“ allerdings die Ausnahmen, die ein ansonsten unentschlossenes Album unterfüttern. Weiche Pop-Klänge in „Gayby“ und „I Think We Should Take It Fast“ sind gefällig, geraten aber schnell in Vergessenheit. „Faggot“ dagegen will die rebellische Version von Mikas „No Place In Heaven“ sein, verliert sich aber im eigenen Chaos, ähnlich wie „Narcissus 2.0“. Wenn „Homotopia“ nicht mit gebündelten Ideen aufwartet, erwartet den Hörer kreatives Chaos, das ohne starken Zusammenhalt plätschert.

Sam Vance-Law präsentiert schöne Geschichten, die aber nie zu (Freuden-)Tränen rühren, sondern im besten Fall zum Schmunzeln wie in „Gayby“ und „Isle Of Man“. Der verletzliche junge Herr aus „Wanted To“ scheint selbst nicht richtig zu wissen, wie er seine Geschichten vortragen will. Er hetzt durch alle möglichen Gefilde, probiert sich aus und ist doch nie komplett er selbst. Wer Sam Vance-Law ist, ist nach seinen Geschichten über Andere am Ende weiter ein Mysterium, das sich nicht entschlüsseln lässt. Diese Tatsache führt dazu, dass einige Hörer vielleicht „Prettyboy“ oder „Gayby“ lieben und den Rest des Albums links liegen lassen. „Homotopia“ lässt den Hörer lediglich mit seinen Texten teilhaben, während die Musik durchgehend Haken schlägt und sich durch diesen Kraftakt selbst größerer Kraft beraubt.

Anspieltipps:

  • Prettyboy
  • Stat. Rap.
  • Gayby

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