Fee - Ein Zimmer Küche Bad - Cover
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Fee Ein Zimmer Küche Bad


  • Label: O-Tone Music/EDEL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Fee präsentiert sich auf „Ein Zimmer Küche Bad“ ohne Punkt und Komma mit Camouflage-Pop im Singer/Songwriter-Gewand.

„Ein Zimmer Küche Bad“ ist ein Pop-Album. Dieser Fakt ist sich in Erinnerung zu rufen, wenn Fee Mietz' Solodebüt aus den Boxen klingt. Mit unbeholfenen Reimen und natürlichem Klang beschwört „Ein Zimmer Küche Bad“ eine Stimmung zwischen Julia Engelmann und einem Akustikset von Juli. Leider versteht Fee diese Unbeholfenheit nicht natürlich zu verpacken, weil die Pop-Melodie im Hintergrund mechanisch weiter dudelt. „Ein Zimmer Küche Bad“ ist ein perfekt aufbereitetes Album, das so tut, als wäre es ein sympathisches Amateur-Werk. Dagegen sprechen Hochglanzvideos und durchkalkulierte Arrangements, die keinen Raum zum kreativen Atmen lassen. Wer Fee tatsächlich ist, lässt sich auf diesem Album nur selten erahnen.

Gleich zu Beginn macht Fee mit „Ah oh da da da“-Rufen im Opener und dem folgenden „Wie Bei Den Magneten“ deutlich, dass nicht die Botschaft, sondern Hooklines und Melodien bleiben sollen. Bei „Wie Bei Den Magneten“ ist das Kopfwippen beim Frühstück zubereiten nahezu gegeben und gehört genau zu jener harmlosen Guten-Morgen-Musik, die ab und an Charts stürmt. Hinter der Kopfnick-Fassade bleibt allerdings nichts bestehen. Die Botschaften sind süß, aber oberflächlich und die Lieder gleichen sich oft aufs Haar. Wer den Text kurz außer Acht lässt, vergisst, dass „Herzschlag“ nicht mehr „Wie Bei Den Magneten“ ist und wo das letzte „oh oh oh“ Zeit überbrückt, weiß später auch keiner mehr.

Die rettenden Lichtpunkte sind Lieder, die sich zumindest eine Botschaft erlauben. In „Sorry“ wirkt Fee nicht einfach nur harmlos lieblich, sondern klingt entschlossen nicht zu resignieren. Das ist eine Gratwanderung, die die Musikerin gut meistert und Hoffnung sät, wo ansonsten nur Allerwelts-Pop im Akustikgewand auszumachen ist. Auch wenn diese Hoffnung unter tiefen Schichten aus Standardballade („Kleinstadtlichter“ und „Mit Irgendwem Anders“) und mehr weicher Leere („Nichts“). Wer die Hoffnung beibehält, entdeckt aber auch viel ordentliches Mittelmaß mit „Süden“, „Immer Wieder“ und „Eigentlich“. Letzterer Song beweist zudem, dass Fee Pop auch geraderaus beherrscht und sich nicht putzig geben muss.

Nach sehr gemischten Eindrücken bleibt zu hoffen, dass Fee sich öffnet, weil die durchaus sympathische Frau ein paar gute Ideen hat und sie auch mutig verpacken kann. „Ein Zimmer Küche Bad“ fühlt sich noch nach einem Fokusgruppen-Album an, das keine Fehler machen will und sich mit sicheren Hits etablieren möchte. Für Fee bleibt zu hoffen, dass sie nicht die Erwartungen, sondern ihre Talente in den Vordergrund stellt, denn diese Musikerin kann mehr sein als die süße Frau von nebenan, die hier kanalisiert wird.

Anspieltipps:

  • Sorry
  • Eigentlich
  • Süden

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