Songs Of Boda - Iago - Cover
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Songs Of Boda Iago


  • Label: Adore Music/Broken Silence
  • Laufzeit: 43 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
4.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Iago“ offenbart geschmackvolle Lieder, bei denen Bodenständigkeit und Empfindsamkeit in einen anmutigen Fluss von verlockenden Klängen eingebunden werden.

Daniel Skoglund hat sich in den letzten zehn Jahren einen guten Namen in der Göteborger Musik-Szene erarbeitet und spielte unter anderem schon mit seinem schwedischen Kollegen Daniel Norgren und dem spleenigen, extravaganten kalifornischen Singer-Songwriter Daniel Johnston zusammen. Nach der EP „Loophole“ aus 2015 ist „Iago“ - was ein Wortspiel aus den schwedischen Bezeichnungen für „Ich“ und „Ego“ ist - nun die zweite physische Veröffentlichung, die der Schwede unter dem Pseudonym Songs Of Boda herausgibt. Beim Hören der Musik wird sofort klar: Neben der Schaffung einer einprägsamen Melodie ist dem Künstler der Aufbau einer stimmungsvollen Hintergrund-Klanglandschaft wichtig. Deshalb sind sinnverwirrende Schwingungen, die mit urwüchsigem Folk, Country und Blues gekoppelt werden, prägende Bestandteile der aparten Tracks.

„Prey On Disaster“ wartet mit Zwischentönen auf, die sanft beruhigen, aber auch für eine rätselhafte Atmosphäre sorgen. Die Gitarre klingt metallisch, wird aber filigran bedient. Der Gesang füllt selbstbewusst, aber trotzdem harmonisch die Lücken und das Schlagzeug begleitet exakt wie ein Metronom. Der Synthesizer setzt sich mit moderat alarmierenden Tönen in Szene und die Melodie lädt unaufdringlich zum Träumen ein. „Hardball“ verbreitet danach eine ähnlich erhabene Eleganz wie „Line Of Fire“ von Junip. Der Song lässt sich hinsichtlich seines Ablaufs nicht in die Karten schauen und gleitet unerschütterlich und sicher dahin.

Offen und klar fordern die akustischen Gitarren beim Stück „Iago“ dazu auf, sich eindeutig zu der Intimität des Liedes zu bekennen. Es verbietet sich deshalb von selbst, sich während der intelligent-suggestiven Musik mit etwas anderem als dem Zuhören zu beschäftigen. Daniel „Boda“ Skoglund brilliert hier als ausdrucksstarker Troubadour und Gitarrist in Anlehnung an Legenden wie David Blue oder David Wiffen. Sowohl der wohlige wie auch der zupackende Anteil des Folk-Rocks von Crosby Stills & Nash findet seine Wiederkehr in „The Voice Of Unreason“. Der Synthesizer wimmert dazu in einem zittrigen Monolog und die E-Gitarre checkt im „Hotel California“ ein.

Das feierliche „Let It Rain“ setzt auf die andächtige Wirkung einer eindimensionalen Orgelgrundierung in Verbindung mit Gospel-Soul-Gesang. Völlig abgeklärt funktioniert anschließend „Spiders Eyes“, das sich sogar ein verspieltes Grateful Dead-Gedächtnis-Gitarrensolo leisten kann, ohne dass der geschmeidige Ablauf dadurch wesentlich ins Stocken gerät. Der lässige Country-Folk von Neil Youngs „Harvest“ hat vermutlich als Inspiration für die Entstehung von „Over And Over Again“ gedient, wobei Daniel die Gelegenheit nutzt, diese Töne elastisch schwirren zu lassen.

Swingender Swamp-Blues bildet die Grundlage für „Favorite People“, das durch ein einprägsames Saxophon am Anfang und Ende des Titels noch mit flehenden Zwischentönen verziert wird. Der leichtfüßige Mitsing-Country-Folk „1234 Again“ setzt als Kontrast dazu einen unkomplizierten Haltepunkt, während das instrumentale „Ninja“ zu einem unerwarteten Abschluss dieses bemerkenswerten Singer-Songwriter-Albums führt. Das Stück bringt nämlich einen akademisch-abgehobenen Charakter in den ansonsten über weite Strecken emotional tief berührenden Lieder-Zyklus ein.

Daniel Skoglund wurde auf „Iago“ von hochkarätigen Musikern begleitet. Dazu gehören der Drummer Emil Brandqvist vom gleichnamigen Jazz-Trio, Multiinstrumentalist Gustav Svedung an Synthesizer und Rhythmus-Gitarre sowie der Bassist Anders Grahn, der schon Beiträge für Anastacia und Rebecca Ferguson verfasst hat. Diese Stamm-Formation und weitere Gast-Mitstreiter sorgen durch ihr Einfühlungsvermögen für ein plastisches, besinnliches und dennoch solides Klangbild und einen akkuraten Zuschnitt auf die Bedürfnisse ihres Frontmannes.

Die innigen, ruhevollen Grundströmungen der gehaltvollen Kompositionen werden in strapazier- und ausbaufähige sowie straff organisierte Gerüste gebettet und malerisch ausgestaltet. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit für einen spontanen Richtungswechsel. So kann entweder ein betroffen-intimer oder energisch-beharrlichen Weg einschlagen werden. „Boda“ empfiehlt sich deshalb nachdrücklich als empfindsamer Song-Poet mit einem ausgeprägten Gespür für niveauvolle Klänge. Das neue Werk bietet beinahe perfekte, ausgereifte Tondichtungen mit gleichzeitigem Blick auf das Bewährte und Außergewöhnliche. Freunde des delikaten Liedguts mit Langzeitwirkung sollten sich bei „Iago“ also gut aufgehoben fühlen.

Anspieltipps:

  • Prey On Disaster
  • Hardball
  • Iago
  • The Voice Of Unreason
  • Favorite People

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