Neil Young - Roxy: Tonight´s The Night Live - Cover
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Neil Young Roxy: Tonight´s The Night Live


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem vor sieben Tagen veröffentlichten „Paradox“-Soundtrack gehen die Neil-Young-Wochen weiter.

Das Jahr 1973 traf Neil Young schwer. Nur sieben Monate nach dem Tod des Crazy-Horse-Gitarristen Danny Whitten im November 1972, folgt im Juni des nächsten Jahres der Tod von Youngs langjährigem Roadie Bruce Berry. Beide starben an einer Überdosis Drogen. Daraufhin entstand das umstrittene Album „Tonight’s The Night“, das allerdings erst im Jahr 1975 erschien. Der Abgesang auf die langjährigen Freunde geriet drogengeschwängert und erschien unbearbeitet, sodass manche Songs eher wie Outtakes klangen. Andererseits wird gerade diese Intensität als Vorteil und Authentizitätsmerkmal der Trauer angeführt. Es bleibt Neil Youngs einziges Album der 1970er Jahre ohne Gold- oder Platinauszeichnung in den USA.

Nun erscheint ein bei den Uraufführungen im September 1973 mitgeschnittenes Live-Album, das die zehn ursprünglichen Songs von „Tonight’s The Night“, sowie mehrere kurze spontane Jams oder Ansagen enthält. Nach dem Intro geht es mit dem Titelsong los, der im Vergleich zur Studioversion um einiges kraftvoller und rockiger daherkommt. Die Band zeigt sich gut eingespielt und vor allem Nils Lofgren an Gitarre und als Background-Sänger macht eine außerordentlich gute Figur. Nicht umsonst hat sich Bruce Springsteen höchstpersönlich nach dem Ausstieg von Steven Van Zandt aus der E Street Band die Dienste für sich gesichert.

Das Schöne an Neil Youngs Archiv-Veröffentlichungen ist, dass man beinahe vergessene Songs, die auf den Studioalben als unscheinbar in Erinnerung geblieben sind, wiederentdeckt. Ein gutes Beispiel hierfür ist „Albuquerque“, dessen melancholische Stimmung gepaart mit Youngs vergleichsweise tiefem Gesang auch gut auf „Harvest“ gepasst hätten. Dagegen zeigt „Mellow My Mind“ einen zerbrechlichen Young, dessen Stimme sich des Öfteren vor wehmütigem Country-Rock, samt Pedal Steel von Ben Keit, überschlägt.

Das Neil-Young-Archiv scheint unerschöpflich zu sein. Mehrere Veröffentlichungen kann der Kanadier in jedem Jahr präsentieren, ohne sich zu wiederholen oder langweilig zu werden. „Roxy: Tonight’s The Night – Live“ ist ein gutes Beispiel. Die Songs des Originalalbums klingen hier besser und die Melancholie und Traurigkeit über den Verlust der gestorbenen Freunde, aber auch die Hoffnung, dass es weiter geht, kommen in diesem Live-Mitschnitt besser rübe,r als auf dem rumpligen, demohaften Original.

Anspieltipps:

  • Tonight’s The Night
  • Mellow My Mind
  • Speakin’ Out
  • Albuquerque

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