Christina Lux - Leise Bilder - Cover
Große Ansicht

Christina Lux Leise Bilder


  • Label: India Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 48 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf „Leise Bilder“ zeigen die Arrangements nicht oft genug den Mut, der Stille Ausdruck zu verleihen. Sie setzen vielfach auf vertraute Pop-Strukturen.

Christina Lux ist eine der vielen Streitfiguren der deutschen Musikszene. Ihre Anhänger sind passioniert und sehen in Lux eine leicht zugängliche und doch tiefsinnige Pop-Musikerin. Kritiker, die zumindest letzteres relativeren, weisen darauf hin, dass sich Lux nie komplett ihrer Pop-Ader entzieht, die in Laith Al-Deen-Manier einprägsame Melodien ermöglicht, aber weniger durch starke Erzählung als durch einfache und effektive Phrasen funktioniert.

Rund drei Minuten hält Lux der Versuchung stand, ihre mit Bedacht vorgetragenen Worte nicht mit Jazz und Pop zu überfluten. Denn eins der großen Geheimnisse der Christina Lux ist, dass sie ihre Stimme mit unvergleichlicher Ruhe einsetzen kann, wenn sie dies wünscht. „Leise Bilder“ eröffnet das Album fantastisch introvertiert und berührt, auch wenn die Worte bei genauerem Hinhören Tiefe vermissen lassen. Doch dann setzt die komplette Band für ein Forte mit Uhhs, Ahhs und Back Vocals ein. Und statt das emotionale Zentrum des Liedes zu sein, zerfällt der Track in diesem Moment zu einer durchschaubaren Formel.

Diese Entzauberung ist auf dem kompletten Album vertreten, was ironischerweise genau jene Lieder stark macht, die sich gar nicht erst zu verstellen versuchen. „Wege“ hat bei weitem nicht die Tragweite des stark startenden Openers, doch die gefällige Jazz-Nummer führt Hörer nicht in die Irre. Hier wird gesundes Mittelmaß aufgetischt, das sein Versprechen hält. Die Höhepunkte des Albums sind dementsprechend „Vergehen“ und „Heimkommen“, die sich auch ohne Pop-Hookline vor die Tür trauen und bis zuletzt ihrer Natur treu bleiben. Hier dürfen Hörer schwelgen, ohne zwanghaft zum Mitsingen eingeladen zu werden.

Das bleibt im Gegensatz zu Liedern wie „Geschichten“ und „Reise“ nicht so leicht im Ohr, hat aber auf Dauer viel mehr zu bieten. Suchen wir dagegen in der vermeintlichen Schwäche der musikalischen Beliebigkeit Stärken, muss Lux zugutegehalten werden, dass sie sich textlich zumindest an unangenehme Themen herantraut. Ob das in „Reise“ direkte Vorwürfe an gesellschaftliche Engstirnigkeit sind oder das Phänomen der Luxus-Probleme der ersten Welt in „Heul Nicht“. Andere Künstler finden bezüglich dieser Themen vielleicht bessere Worte, aber Lux erreicht mit ihrer weichen, zugänglich warmen Art eine breitere Masse als andere Künstler im deutschsprachigen Raum. Das macht „Leise Bilder“ zwar nicht zu einem bedeutend besseren Album, ist aber ein wichtiger Punkt, mit dem sich die Künstlerin Christina Lux mit ihren Mitteln verdient macht.

Anspieltipps:

  • Heimkommen
  • Vergehen
  • Leise Bilder

Neue Kritiken im Genre „Jazz-Pop“
Diskutiere über „Christina Lux“
comments powered by Disqus