Kacey Musgraves - Golden Hour - Cover
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Kacey Musgraves Golden Hour


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
8.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Vocoder und Synthies? Ist das noch Country? Fragen wie diese, hat Kacey Musgraves nun endgültig hinter sich gelassen.

Auf ihrem vierten Studioalbum namens „Golden Hour“, das in den USA im März 2018 auf den Markt kam, scheint der Nu-Country-Star dank bzw. trotz unterschiedlicher Einflüsse diesmal alles richtig gemacht zu haben. Vier Grammy Awards (u.a. für das Album des Jahres) sprechen eine deutliche Sprache. Wie aussagekräftig die Trophäen tatsächlich sind, wollen wir uns aber genauer anhören.

Das Album beginnt mit einer simplen Akustikgitarre und den wohl entspanntesten Zeilen, die man im vergangenen Jahr zu hören bekommen hat, in dem Song „Slown burn“. Mit klarer Stimme und einem unheimlichen Gespür für relaxte Spannungsbögen, gibt der Track die Stimmung für den Rest des Longplayers vor, in der es sich der Hörer im weiteren Verlauf immer gemütlicher machen möchte.

Mit Gitarre und sanftem Beat geht es mit „Lonely weekend“ weiter. Schon jetzt wird die erste große Veränderung zu den Vorgänger-Werken deutlich: Kacey versteckt sich nicht länger hinter, zugegeben, sehr cleveren Wortspielen, sondern entdeckt mit direkter Sprache die Schönheit im vermeintlich banalen Privaten. Mit wenigen Ausnahmen (z.B. in „High horse“) ist die Zynikerin, die jede Situation mit einer passenden Punchline skizzieren konnte, komplett verschwunden. Stattdessen gibt sich die Texanerin authentischer denn je ihren Emotionen hin („Butterflies“, „Mother“), bestaunt mit fast kindlicher Naivität das bunte Treiben um sich herum („Oh what a world“) und genießt ihre frisch geschlossene Ehe in all ihren Facetten („Happy and sad“, „Wonder woman“, „Velvet Elvis“, „Golden hour“).

Passend dazu werden stilistisch die unterschiedlichsten Elemente zu Kaceys ganz eigener Version von Country-Musik verwoben. So gesellen sich zu Gitarre, Banjo und einem grundsätzlich relaxten Schlagzeug, immer mal wieder auch verschiedene Synthie- und Vocoderspielereien „Butterflies“). Das alles geschieht jedoch so subtil, dass sich kein Chaos einstellt. Kacey Musgraves Songwriting verliert dabei nie die eigenen Stärken aus dem Blick und leiht sich nur das Notwendigste von anderen Genres aus, ohne die eigene Handschrift zu verwässern.

Spätestens wenn ihr dann gegen Ende mit „High horse“ das Beste Bee-Gees-Cover eines Nicht-Bee-Gees-Songs gelingt, trifft einen die Erkenntnis, dass dieses Album in Preisen wohl kaum adäquat aufgewogen werden kann.

Anspieltipps:

  • High horse
  • Slown burn
  • Velvet Elvis
  • Butterflies

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