Fantastic Negrito - Please Don´t Be Dead - Cover
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Fantastic Negrito Please Don´t Be Dead


  • Label: Cooking Vinyl/Sony Music
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Fantastic Negrito ist reif für den Durchbruch in Europa und drückt uns mit stampfenden Songs und schweren Thematiken an die Wand.

Fantastic Negrito ist ein Name, der in Deutschland noch weitestgehend unbekannt ist. Aufgrund von Verletzungen ist der inzwischen rund 50-jährige Xavier Amin Dphrepaulezz erst seit 2014 unter seinem Pseudonym unterwegs. Auf dem hierzulande kaum bekannten „The Last Days Of Oakland“ bewies Fantastic Negrito nach seinem selbst betitelten Debüt, dass er keine Eintagsfliege ist, sondern eine wichtige Stimme moderner Blues-Musik sein kann.„Please Don’t Be Dead“ ist inhaltlich von den gesellschaftlichen Diskrepanzen gesteuert, an denen kaum noch jemand vorbeikommt, sodass Dphrepaulezz’ Musik auch hierzulande auf Gehör stoßen dürfte.

Auch wenn Politik und Inhalt essenziell für „Please Don’t Be Dead“ sind, steht der Genuss der Musik im Vordergrund. Wer den Texten nicht ganz folgen kann, fühlt trotzdem den Schmerz und das Aufbegehren, das Fantastic Negrito mit seinem Gesang und, wichtiger noch, seinen Instrumenten ausdrückt. „Please Don’t Be Dead“ beginnt erstaunlich geradlinig, sodass sich nach dem Auftakt manche Hörer fragen mögen, was das Besondere an Fantastic Negrito sein soll. Klar, „Plastic Hamburgers“ ist ein schnörkelloser Blues-Song mit ordentlicher Wucht, aber mehr als ganz gut gemachter Blues ist das doch nicht.

Und dann legt das Album mit „A Boy Named Andrew“ richtig los. Fantastic Negrito bedient sich bei weiteren Musikstilen und schreckt im alles überragenden „A Cold November Street“ auch nicht vor Progressive-Rock-Einflüssen zurück. Das Ergebnis kommt einer Rock-Oper gleich. Lässig depressiv über Ungerechtigkeit durch Unterschiede in „Transgender Bisciuts“ und die Oberschicht verzweifelt heißblütig anklagend in „The Suit That Won’t Come Off“ trieft der Musiker mit Emotionen aus jeder Pore.

Dabei findet Fantastic Negrito durchgehend Ansätze, die leicht ins Ohr gehen, obwohl „Please Don’t Be Dead“ ab „A Boy Named Andrew“ ein vielschichtiges Werk ist. Dazu schüttelt der Mann mit „Dark Windows“ eine Ballade aus dem Ärmel, die Sehnsüchte nach Ray LaMontagnes „Trouble“ weckt. Ach, und abschließend verbindet „Bullshit Anthem“ noch Bruno Mars-Funk mit wuchtigem Blues und fertig ist die These: der Blues ist eine der Hauptadern der amerikanischen Populärmusik und ist dies mit Recht. In Fantastic Negritos Händen verwandelt der Blues sich in ein Werkzeug, um alles Negative zu verdauen und sich den Problemen trotzig zu stellen. Komme, was wolle.

Anspieltipps:

  • A Cold November Street
  • Bullshit Anthem
  • The Suit That Won’t Come Off

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