Alexis Taylor - Beautiful Thing - Cover
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Alexis Taylor Beautiful Thing


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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Alexis Taylor tut weiter alles dafür, um in keiner Pop-Schublade zu landen. Landet „Beautiful Thing“ trotzdem oder gerade deswegen im Plattenregal?

Herbert Grönemeyer sang für Die Fantastischen Vier einst: „Es könnt’ alles so einfach sein, isses aber nicht!“ Dieses universelle Credo trifft auch auf Alexis Taylor zu. Im Herzen ein Pop-Musiker, der danach strebt, anders zu klingen. Dieses Verlangen lässt Taylors Melodien oftmals leiden und das Schmückwerk erdrückt die ursprünglich treibende Melodie. Ähnlich verkopft wie And The Golden Choir aber radikaler geht Taylor zu Werke und zersägt auch dieses Mal einen Großteil seiner Songs.

Andere Künstler beneiden ihn um den Kern des Openers „Dreaming Another Life“, doch nicht wenige Hörer erkennen in den gut fünf Minuten einen klassischen Dreiminutensong, der sich künstlich aufgebläht anhört. Das Gleiche im Grünton Ihrer Wahl geschieht in „Beautiful Thing“. Hier legt Taylor einen eklektischen Sng über eine einprägsame Pop-Nummer. Das Ergebnis hört sich an, als hätte der Künstler aus Versehen zwei Lieder gleichzeitig abgespielt. Nach gerade einmal zwei Stücken fragen sich auch neue Hörer zurecht, warum Alexis Taylor sich das Leben selbst schwer macht.

Reduzierte Balladen sind keine Garantie dafür, dass sich der Künstler zügelt. In „Deep Cut“ reißt sich Taylor kurz zusammen, bevor er mit „Roll On Blank Tapes“ eine „Deep Cut“-Kopie unverständlicherweise wieder mit hektisch unruhigen Arrangements überlagert. Dieses Überlagern ist bezeichnend, denn auf diesem Album klingt die Musik oft so, als sei sie nie aus einem Guss. Tonspuren klingen leicht versetzt und greifen nicht durchgängig ineinander. Das Ergebnis ist zwar nicht anstrengend zu hören, aber sich in den Liedern zu verlieren ist nahezu unmöglich.

Das relativ unberührte „Oh Baby“ und auch der gefühlte Höhe- und Schlusspunkt des Albums „I Feel You“ zeigen, was für Taylor möglich ist, wenn er seinen Drang zum Besonderen kanalisiert. Die Melodien werden nicht zwanghaft durchbrochen, sondern Elemente schleichen sich teils ein, mal rempeln sie in Form eines Chores den Gesang aus der Spur, ohne den Fluss des Liedes zu beschädigen. Die kleine Dosis Chaos soll Alexis Taylor nicht verboten werden, denn der Musiker macht deutlich, dass es Teil seines Wesens ist. Aber solange er diesen Drang nicht dauerhaft unter Kontrolle bekommt, bleibt seine Musik schwer verdauliches Stückwerk.

Anspieltipps:

  • I Feel You
  • Oh Baby
  • Dreaming Another Life

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