Schwesta Ewa - Aywa - Cover
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Schwesta Ewa Aywa


  • Label: Alles Oder Nix Records
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Staatsanwaltschaft zählt nicht zu den besten Freunden von Schwesta Ewa. Nach sieben Monaten in der JVA Frankfurt erscheint nun das zweite Album der Skandal-Rapperin.

Mit ihrem offiziellen Debütalbum „Kurwa“ (01/2015) erreichte Schwesta Ewa (33) den elften Platz der deutschen Album-Charts und unterstrich damit, dass authentischer Rap mit Rotlichtmilieu-Vergangenheit („Ein Milieu, das den meisten von uns fremd sein dürfte“, Copyright: „Aktenzeichen XY Ungelöst“) eine Basis beim deutschen HipHop-Publikum hat. Ein neuer Longplayer hätte deshalb eigentlich schon viel früher auf den Markt kommen sollen. Doch das Leben hatte etwas dagegen.

Ewa Malanda alias Schwesta Ewa wurde im November 2016 wegen des Verdachts des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, Zuhälterei, Körperverletzung und Steuerhinterziehung festgenommen und verbrachte sieben Monate im Gefängnis. Es folgte eine Verurteilung wegen Körperverletzung, Steuerhinterziehung und sexueller Verführung Minderjähriger. Das Strafmaß: 2½ Jahre Haft, gegen das Schwesta Ewa Berufung eingelegt hat. Dennoch: Es kann quasi jeden Tag für die Skandalnudel des Deutsch-Rap in den Knast gehen.

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Damit hat sie mit ihrem Mentor und Label-Boss Xatar (36, bürgerlich: Giwar Hajabi) etwas gemeinsam. Dieser wurde wegen eines Raubüberfalls auf einen Geldtransporter angeklagt. Xatar gestand die Tat und wanderte 2011 für 3½ Jahre in den Bau, wobei er ursprünglich zu acht Jahren verurteilt, aber früher entlassen wurde. Damit konnte er sich um das neue Ewa-Album namens „Eywa“ kümmern, das u.a. auf Produktionen von Beatdemons, King LeeBoy, Hitnapperz, Jugglerz, Nick Star und Lord JKO aufbaut und damit den klassischen Alles-Oder-Nix-Old-School-Sound modernisiert.

Zusammen mit ihren Feature-Gästen Bonez MC, Vega, Al-Gear, SSIO, SXTN, Olexesh und Xatar hat Schwesta Ewa in ihren 16 Tracks ein großes Feindbild ausgemacht, das – wen wundert’s –, auf das Dreigestirn „Richter, Staatsanwaltschaft und Polizei“ lautet. Damit bewegt sich die 33-Jährige natürlich auf der Rasierklinge, aber wer geglaubt hat, dass die Kurwa aus Frankfurt klein beigeben würde, sieht sich getäuscht: „Alles fickt Kopf. Meine Leute wollen ein Statement. Meine Anwälte sagen, ich soll die Fresse halten. Aber scheiß drauf, zu viele Flecken auf der weißen Weste. Fängt der Zeuge meinen Blick, verliert er sein Gedächtnis. Mein Ruf ist der Beweis, dass diese Scheiße echt ist. Ich steh' zu meinen Taten, das ist mein Geständnis“.

Auch wenn der Hörer Schwesta Ewas Raps etwas ungelenk finden mag („24/7 Para“) und die Texte eine grammatische Achterbahnfahrt darstellen („Escort Flow Deux“), ist die auf „Aywa“ erzeugte Atmosphäre wieder unnachahmlich. Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ? Überflüssig! In Schwesta Ewas Welt haben solche Nebensächlichkeiten keinen Platz. Dafür wird der geneigte CD-Käufer in ein Milieu entführt, das nirgendwo besser aufgehoben ist, als im Deutsch-Rap von der Straße.

Anspieltipps:

  • Pum Pum
  • Ware Liebe
  • Gossentourist
  • Mein Geständnis
  • Escort Flow Deux
  • Schubse den Bullen
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