Get Well Soon - The Horror - Cover
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Get Well Soon The Horror


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf „The Horror“ verschluckt sich Konstantin Groppers Projekt erstmals an den eigenen Ambitionen und an einer merkwürdigen Ziellosigkeit.

„The Horror“ ist interessant. Konstantin Gropper jongliert für das düster klingende Album ein ganzes Orchester und kann selbst kaum an sich halten. Vom kleinsten Holzblasinstrument, bis zu den obligatorischen Streichern, erhalten alle Instrumente prominente Rollen. Das Ergebnis ist selten erquickend, sondern erdrückt den Hörer vielmehr. Oft passiert viel auf einmal, ohne dass die Elemente vollends ineinandergreifen. „The Horror“ ist vielschichtig, aber wenig fokussiert und erschaudert – wie es der Titel weißmachen will – seine Hörer zu keiner Zeit. Get Well Soon steht auch auf diesem Album für vielzählige Ideen, doch das Ergebnis ist weniger Ideenreichtum denn ausgelassene Ideenwut.

Mit „The Horror“ hören wir das wahrscheinlich ambitionierteste Get-Well-Soon-Album, das allerdings gleichzeitig betörende Melodien und eine schlüssige Stimmung vermissen lässt. Gropper singt über Albträume und mögliches Leid, klingt dabei aber, als würde er uns umgarnen und sanft in den Schlaf singen. Esoterische Einlagen wie in „Future Ruins (Pt. 2)“ sind eine Seltenheit, um die Verstimmungen der Arrangements zu verdeutlichen. Ansonsten klingt „The Horror“ wie ein relativ konventioneller Chanson-Abend, der auf möglichst grandios samtene Art Unheimliches mimt.

Das Album erinnert eher an eine Show aus einem Noir-Film, wobei unglaublich viele Elemente im Hintergrund stattfinden, die zwar gut gemacht sind, aber nicht die einfachen Stimmungen der Lieder unterstützen. Selten lassen sich die leichten Veränderungen wie in „Nightmare No. 1 “ greifen, wenn Get Well Soon uns nicht mit seiner Soundkulisse erdrückt. Die Stärken des Longplayers sind am Ende bezeichnenderweise die Hymnen, die sich auch von zu vielen Schichten nicht unterkriegen lassen. „Martyrs“ und die „Nightmare“-Balladen stechen heraus und zeigen, wie sich zielgerichtet Atmosphäre erzeugen lässt.

Bei genauerer Betrachtung musste „The Horror“ wahrscheinlich scheitern, weil Gropper ein edler Erzähler und kein bösartiger Beobachter ist. Auf einem Album, das sich um Albträume und Horror dreht, tut er niemandem weh, sondern wiegt uns zärtlich. Er singt abschließend davon, dass wir uns bei den Händen halten sollen und die Furcht uns eint. Gleichzeitig versucht das Album mysteriös zu klingen und bis zum Ende ist nicht klar, welche Stimmung erzeugt werden soll.

„The Horror“ ist ein nachdenkliches Wohlfühlalbum geworden, das uns in erster Linie damit erschreckt, dass es von einer schrecklichen Welt erzählt, die wir als normal empfinden. Ohne Gänsehaut und mit nur wenigen einprägsamen Momenten, entlässt uns Get Well Soon aus der „The Horror“-Show. Der vermeintlich anspruchsvolle Orchestralsound darf darüber nicht hinwegtäuschen.

Anspieltipps:

  • Martyrs
  • Nightmare No. 1 (Collapse)
  • Nightmare No. 3 (Strangled)

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