Madsen - Lichtjahre - Cover
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Madsen Lichtjahre


  • Label: Arising Empire/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Lichtjahre“ ist ein zweischneidiges Schwert, das sich nur schwer zwischen cool und Käse entscheiden kann.

Nach fast dreijähriger Album-Pause meldet sich der Rock’n’Roll-Familienbetrieb namens Madsen aus dem niedersächsischen Wendland mit seinem siebten Studioalbum seit dem selbstbenannten 2005er Debüt zurück auf der Bildfläche. Der Nachfolger von „Kompass“ (08/2015) hört auf den Namen „Lichtjahre“ und ist das erste Werk für den neuen Label-Partner Arising Empire im Vertrieb von Warner Music, womit die Herren Johannes (Gitarre), Sebastian (Gesang, Gitarre) und Sascha (Drums) Madsen sowie Niko Maurer (Bass) nach Universal Music und Sony Music inzwischen bei der dritten Major-Company untergekommen sind.

Nachdem Madsen mit großen Schritten auf ihr 15-jähriges Bandjubiläum zugehen, mag ihnen ihr Karriereweg vielleicht wie Lichtjahre vorkommen. Tatsächlich ist es ein feiner Verdienst, dass das Quartett mit seinem gerne mal etwas schroffen, aber dennoch massentauglichen Sound auch nach so vielen Jahren einen Platz unter den Top 10 der Album-Charts abonniert hat und die Indie-Rock-Fahne trotz Majorvertrag hochhält. Es müsste deshalb schon mit dem Teufel zugehen, wenn nicht auch mit „Lichtjahre“ der erreichte Status verteidigt werden kann.

Schließlich machen Madsen hinsichtlich ihrer Stilistik kaum Experimente, wofür sie gleichermaßen geliebt und gehasst werden. Doch sind sie damit allein in der deutschen Musiklandschaft? Mitnichten! Denn damit stehen Madsen in enger Verwandtschaft zu den Sportfreunden Stiller, die den Norddeutschen zwar mehr als nur eine Hitsingle voraushaben, aber dass auch Madsen wissen, wie eingängige Songs geschrieben werden, zeigen Stücke wie „Wenn es einfach passiert“, „Keiner“ oder auch „Sommerferien“, die locker, simpel und mit banalen Texten ins Ohr gehen.

Wenn die Band dagegen etwas knorriger klingen will – in etwa wie die Queens Of The Stone Age („Rückenwind“, „Ein paar Runden“) – dann schafft sie auch das ohne spürbare Anstrengung („Ich tanze mit mir allein“, „Athlet“). Doch solche Momente sind auf „Lichtjahre“ vergleichsweise rar gesät. Vielmehr gehen Madsen heuer mit einer fast schon schlagerartigen Melodieseligkeit ans Werk („Wo mal Wüste war“, „Wenn alles zerbricht“), die das Publikum vermutlich erneut spalten könnte. Deshalb muss jeder für sich entscheiden, ob „Lichtjahre“ cool oder einfach nur Käse ist.

Anspieltipps:

  • Athlet
  • Keiner
  • Rückenwind
  • Wenn alles zerbricht
  • Wenn es einfach passiert
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