Arctic Monkeys - Tranquility Base Hotel + Casino - Cover
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Arctic Monkeys Tranquility Base Hotel + Casino


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 41 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Rock'n'Roll war einmal. Die Arctic Monkeys anno 2018 präsentieren psychedelischen Sixties-Lounge-Pop im Chanson-Stil.

Fast fünf Jahre nach dem mit fünf Millionen verkaufen Einheiten bis dato kommerziell erfolgreichsten Arctic-Monkeys-Longplayer „AM“ (09/2013), melden sich die Herren Alex Turner (Gesang, Gitarre, Piano), Matt Helders (Drums), Jamie Cook (Gitarre) und Nick O’Malley (Bass) mit ihrem inzwischen sechsten Studioalbum „Tranquility Base Hotel + Casino“ zurück. Die ursprünglich aus Sheffield stammende Band hat im Laufe eines Jahrzehnts eine interessante Entwicklung hinter sich gebracht, die sie künstlerisch reifen und von den Anfängen als wild drauf los rockende Teenager-Combo nicht mehr viel übrigließ. Auch das neueste Werk des Quartetts bietet wieder so eine Evolution, mit der sich vermutlich nicht alle Fans anfreunden werden.

Mastermind und USA-Fan Alex Turner (32) hat in den vergangenen Jahren das Piano für sich entdeckt und seine Art zu komponieren entsprechend verändert. Die Gitarre steht nicht mehr im Fokus, was sich unmittelbar auf den Sound der Arctic Monkeys auswirkt. So beginnt das erneut von James Ford (Klaxons, The Last Shadow Puppets, Florence + The Machine, Birdy, Beth Ditto, Jessie Ware, Depeche Mode, Everything Everything, Foals) produzierte Album mit entspannten Lounge-Pop-Klängen, die der Hörer früher niemals mit den Arctic Monkeys in Verbindung gebracht hätte. Kein Wunder, dass „Tranquility Base Hotel + Casino“ ursprünglich als Soloalbum von Alex Turner angedacht war.

Mit Rücksicht auf die Fans wäre dies vielleicht die bessere Entscheidung gewesen. Denn mit dem vorliegenden Werk erklären die Arctic Monkeys die Indie-Rock-Disco aus den guten, alten „Whatever People Say I Am That´s What I´m Not“-Tagen (01/2006) endgültig für geschlossen und brechen in eine barocke 60er-Jahre-Klanglandschaft auf, die an französische Schlager und Chansons der damaligen Zeit erinnert („One point perspective“). Das ist fürwahr ein Wagnis. Wer möchte schon seine jugendlichen Helden als tiefenentspannte Crooner erleben?

Doch genau da muss derjenige durch, der sich auf „Tranquility Base Hotel + Casino“ einlässt. Alex Turner schmachtet 40 Minuten lang zu Midtempo-Piano- und Synthie-Klängen, die wie beim Titeltrack psychedelisch sein wollen, aber oft am weichgespülten Gesang Turners scheitern. Damit sind die Arctic Monkeys stilistisch ganz dicht an Turners Nebenprojekt The Last Shadow Puppets herangerückt, was nicht notwendig gewesen wäre, denn unter dem Banner der Arctic Monkeys ist die hier dargebotene Musik einfach unpassend und im Kern nichts weiter als eine dahinplätschernde Lounge-Beschallung.

Anspieltipps:

  • Batphone
  • American sports
  • Four out of five
  • One point perspective
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