Ry Cooder - The Prodigal Son - Cover
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Ry Cooder The Prodigal Son


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Prodigal Son“ ist ein erneut politisches Werk im Schaffen Ry Cooders geworden. Musikalisch wirkt es leider einen Tick zu brav.

Nach dem wütenden „Pull Up Some Dust And Sit Down“-Album dauerte es genau ein Jahr, bis Ry Cooder mit dem sehr politischen „Election Special“ (2012) nachlegte. Die Wahl Trumps und andere Begebenheiten auf unserem Planeten scheinen den 71-Jährigen so sehr lahmgelegt oder auch inspiriert haben, dass es fast sechs Jahre dauerte, bis nun mit „The Prodigal Son“ ein neues, sein mittlerweile 17. Soloalbum, folgt. Wie fast immer verbindet Cooder Eigenkompositionen mit einer Auswahl an Interpretationen alter Songs aus der Geschichte der amerikanischen Musik.

Auch „The Prodigal Son“ ist wieder ein politisches Album geworden. Blind Willie Johnsons „Everybody Ought To Treat A Stranger Right“ stammt aus dem Jahr 1930 und ist mit Zeilen wie „All of us down here are strangers, none of us have no home. Don’t ever hurt your brother and cause him to feel alone“ oder dem simplen, aber effektiven Refrain „Everybody ought to treat a stranger right, long ways from home“ leider aktueller denn je. In „Gentrification“ prangert Cooder die Missstände in den Großstädten dieser Welt an, wenn es heißt „She said trust me and take a little tip, this building’s been sold to Johnny Depp. Who? Take the buyout, relocate, the googlemen are coming downtown, so don’t be late.“

Musikalisch geht es mit dem Opener „Straight Street“ sehr ruhig los, bevor es in „Shrinking Man“ mit rootsigen Anleihen an die letzten Alben erinnert. Der Titelsong klingt deutlich nach den Rolling Stones, bevor der Kalifornier den Bluesklassiker „Nobody’s Fault But Mine“ auseinandernimmt und ihn mit Soundcollagen nach einem Filmscore klingen lässt. Hier wäre es besser gewesen, das Ganze nicht allzu sehr auszureizen, denn die sechs Minuten ziehen sich doch ganz gewaltig. Folkige Americana-Klänge bieten das schöne „You Must Unload“ und das flottere „I’ll Be Rested When The Roll Is Called“. Im atmosphärischen „Harbor Of Love“, im Original von den Stanley Brothers, packt Ry Cooder die Slide-Gitarre endlich mal in dem Maße aus, dass es nennenswert ist. Das den Abschluss machenden „In His Care“ rockt dann auch mal etwas.

Insgesamt ist „The Prodigal Son“ durchaus schön anzuhören und handwerklich ist diese Musik mehr als gut gemacht. Trotzdem will der Funke nicht ganz überspringen. Die meisten Songs klingen zu brav und im Vergleich zum Vorgänger weniger wütend, ja beinahe resigniert. Fans des Tausendsassas Ry Cooder dürfen trotzdem bedenkenlos zugreifen.

Anspieltipps:

  • Shrinking Man
  • The Prodigal Son
  • You Must Unload
  • Harbor Of Love

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