Kamasi Washington - Heaven & Earth - Cover
Große Ansicht

Kamasi Washington Heaven & Earth


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 145 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch auf seinem zweiten Album bietet der Tenorsaxophonist aus Los Angeles wieder Breitwand-Jazz in epischen Ausmaßen an.

Der amerikanische Tenorsaxophonist Kamasi Washington (37) spielt sein Instrument seit seinem 13. Lebensjahr ist schon seit geraumer Zeit als Berufsmusiker aktiv (zum Beispiel als Sideman und gefragter Studiomusiker), doch seinen Durchbruch konnte er erst vor wenigen Jahren feiern. Dieser gelang ihm allerdings von Null auf Hundert. Washington veröffentlichte im Mai 2015 sein Solo-Debütalbum „The Epic“ – ein epochales, fast drei Stunden langes Werk auf drei CDs, mit dem er einen riesigen Jazz-Hype auslöste und damit auch Hörer auf das Genre neugierig machte, die normalerweise einen großen Bogen um das anspruchsvolle Musizieren abseits des Mainstreams machen.

Der Longplayer konnte sich weltweit in den vorderen Regionen der Charts platzieren und erhielt in Deutschland eine für Jazz-Veröffentlichungen eher ungewöhnliche Gold-Auszeichnung für mehr als 100.000 verkaufte Einheiten. Zudem regnetes es überall Auszeichnungen und beinahe schon hysterische Lobhudeleien, sodass der Druck vor der Veröffentlichung des zweiten Albums gar nicht größer sein könnte. Mehr als drei Jahre hat es bis dahin gedauert, doch nun liegt das Zweitwerk aus dem Hause Washington vor. Und siehe da: Auch der „Epic“-Nachfolger „Heaven & Earth“ ist wieder ein Brett.

Das Konzeptalbum über Himmel und Erde erscheint auf zwei CDs bzw. vier Vinyl-Scheiben mit 16 Songs und 145 Minuten Spielzeit. Das Werk wurde von Kamasi Washington geschrieben und komponiert und zusammen mit seiner Band The Next Step in Los Angeles eingespielt. Zu den helfenden Händen im Studio zählten u.a. Cameron Graves, Tony Austin, Miles Mosley, Patrice Quinn, Brandon Coleman und Stephen „Thundercat“ Burner. Zusammen haben sie ein Album ganz im Stil der 60er und 70er Jahre aufgenommen, das sich mit Versatzstücken aus Jazz, Soul, Gospel, Funk und sogar ein paar simplen Gesangslinien speist und Genre-Größen wie John Coltrane und Charlie Parker huldigt.

Dabei muss gar nicht um den heißen Brei herumgeredet werden: „Heaven & Earth“ ist anstrengend, ausufernd und fordernd, aber auch verspielt, sphärisch, psychedelisch und manchmal einlullend. Kamasi Washington bietet dazu dutzende Studiomusiker auf, die einen fast schon dekadent-orchestralen Breitwand-Jazz zelebrieren, der Puristen auf den Plan rufen dürfte und den damit wohl einzigen, aber massiven Kritikpunkt mit sich bringt: Was Kamasi Washington auch auf diesem Werk ausrollt, ist unterm Strich oft zu hektisch und damit einfach too much, da der Sound kaum Raum lässt und den Hörer schlicht und ergreifend erschlägt.

Anspieltipps:

  • Testify
  • Journey
  • Fists of fury
  • Show us the way
  • The space travelers lullaby
Neue Kritiken im Genre „Jazz“
Diskutiere über „Kamasi Washington“
comments powered by Disqus